Neugeborenenfotografin und seit 8 Jahren Marketing-Trainerin: Audrey RD teilt ihre konkrete Methode, um Kunden zu gewinnen, sich von der Konkurrenz abzuheben und die eigenen Preise festzulegen.

Kurz zusammengefasst:

Marketing für Fotografen besteht weder nur aus Facebook-Werbung noch nur aus SEO. Laut Audrey RD, die seit acht Jahren Fotografen in Frankreich und Europa schult, beruht es vor allem auf drei Dingen:

• Ziele aufschreiben, und zwar nur wenige

• Eine Identität aufbauen, die nur dir gehört

• Das Kundenerlebnis so gestalten, dass deine Kunden dich weiterempfehlen

Alles andere (Preise, Angebote, Kommunikation) ergibt sich daraus.

In dieser Folge des Fotostudio Podcasts spricht Anthony Heukmes mit Audrey RD, Fotografin für Schwangerschaft, Neugeborene und Kinder sowie Trainerin für angewandtes Marketing für Fotografen. Als ehemalige Vertriebsfrau erzählt sie ungefiltert, was in der Praxis wirklich funktioniert, fernab jeder Theorie.

Wer ist Audrey RD?

Audrey RD ist Kinderfotografin (Schwangerschaft, Neugeborene, Familie), bekannt unter dem Namen Photography by Audrey, und seit acht Jahren Marketing-Trainerin für Fotografen.

Ihr Werdegang erklärt ihre Methode:

  • 14 Jahre im Vertrieb vor der Fotografie, sowohl mit Geschäfts- als auch mit Privatkunden. Sie beschreibt sich selbst als „Frau der Praxis“.
  • Spezialisierung vom ersten Tag an: Sie wollte sich sofort spezialisieren, statt alles zu fotografieren.
  • Eine unverwechselbare Handschrift: inszenierte Themenwelten im Studio, das ganze Jahr über und nicht nur zu Weihnachten, zu einer Zeit, als das in Frankreich kaum ein Fotograf anbot.
  • Eine Trainerin, die selbst weiterlernt: Jedes Jahr plant sie im Voraus, welche Weiterbildungen sie besucht, in Fotografie wie im Marketing.

„Das ist keine Theorie, das ist Marketing, das in der Praxis funktioniert.“

Audrey RD (Zitate aus dem Französischen übersetzt)

Was ist „angewandtes Marketing“ für Fotografen?

Mit angewandtem Marketing meint Audrey RD Techniken, die eine aktive Fotografin unter realen Bedingungen getestet und dann an die Situation jedes Teilnehmers angepasst hat. Es ist kein Katalog von Theorien, die man eins zu eins übernimmt.

Konkret heißt das:

  • Sie testet, bevor sie weitergibt. Neue Techniken, die sie in Weiterbildungen kennenlernt, probiert sie zuerst in ihrem eigenen Unternehmen aus.
  • Nicht alles passt zu jedem. Ihr Beispiel: Empfehlungsprogramme. Manche Fotografen setzen sie ein, andere sagen „das bin nicht ich“. Dann sucht man einen anderen Hebel für dasselbe Ergebnis: den Kundenstamm ausbauen oder Kunden langfristig binden.
  • Marketing betrifft jedes Level. Ob Einsteiger oder seit 10 Jahren selbstständig: „Irgendwann musst du Marketing machen“, sei es, um Kunden zu gewinnen, ein stagnierendes Geschäft wiederzubeleben oder die Freude an der Arbeit zurückzufinden.

Es ist dieselbe Logik wie bei Fotostudio: Allgemeine Verwaltungssoftware gibt es für jede Branche, aber ein Tool, das für Fotografen entwickelt wurde, trifft ihre echten Bedürfnisse. Auch Marketing profitiert von Spezialisierung.

1. Ziele aufschreiben, höchstens drei pro Monat

Der häufigste Fehler laut Audrey RD: die eigenen Ziele nur „im Kopf“ zu haben.

„Hast du es konkret aufgeschrieben?“ „Na ja, nein, ich hab's hier oben.“

Audrey RD

Das Problem: Man hat „36 Millionen Dinge“ im Kopf, und keines kommt voran. Ihre Regel ist einfach:

  1. Schreib deine Ziele schwarz auf weiß auf.
  2. Beschränke dich auf etwa drei Aufgaben pro Monat.
  3. Erledige sie und hake sie ab. Erledigte Aufgaben zu sehen, hält die Motivation hoch.

So kommt man ihrer Meinung nach „dreimal schneller“ voran.

Anthony Heukmes ergänzt eine Falle, die er oft beobachtet hat: die zu ehrgeizige To-do-Liste. An einem besonders motivierten Tag nimmt man sich zehn Aufgaben für morgen vor, schafft nur drei und beendet den Tag frustriert, schon im Rückstand für den nächsten. Besser sind wenige Ziele, an denen du jeden Tag arbeitest.

Das Wichtigste: Ein Ziel, das nicht aufgeschrieben ist, bleibt eine Absicht. Wenige Ziele, die du einhältst, sind mehr wert als eine lange Liste, die du aufgibst.

2. Regelmäßige Arbeit zahlt sich immer aus

Audrey RD hat zahlreiche erfolgreiche Fotografinnen in Frankreich und im übrigen Europa befragt, mit einer einfachen Frage: „Was hat dazu geführt, dass du heute da stehst, wo du bist?“

Sie habe immer dieselbe Antwort bekommen: Sie haben viel mehr gearbeitet als die anderen. Statt durch Social Media zu scrollen, schauten sie ein YouTube-Tutorial nach dem anderen, bis ein bestimmtes Foto oder eine bestimmte Bearbeitung gelang.

Es geht nicht darum, Dutzende Stunden am Tag zu arbeiten. Die Nuance, die Anthony formuliert, ist die Regelmäßigkeit: jede Woche eine feste Anzahl Stunden in dein Marketing investieren, um Schritt für Schritt voranzukommen.

Audrey vergleicht den Erfolg eines Fotografen mit einem Eisberg: Man sieht nur die Spitze und vergisst all die Etappen darunter.

„Wir sind nicht mit einem Fingerschnippen hierhergekommen.“

Audrey RD

3. Mit einer eigenen Bildwelt aus der Masse herausstechen

Wie hebt man sich als Fotograf von der Konkurrenz ab? Für Audrey RD lautet die Antwort: eine wiedererkennbare visuelle Identität und du selbst sein.

Eine Handschrift, die man auf den ersten Blick erkennt

Audrey hat ihre Identität sehr früh gefunden: Wer ihre Fotos sieht, sollte sofort denken „das ist Audrey“. Das Ergebnis: Ihre Kunden schreiben ihr nicht „Ich suche einen Fotografen für mein Baby“. Sie schreiben:

„Ich bin auf Ihre Seite gestoßen und habe mich in diese Bildwelt verliebt.“

Kunden, die dich wegen deines Stils auswählen, vergleichen weniger die Preise und empfehlen dich bereitwilliger weiter.

Du selbst sein, auch wenn du nicht allen gefällst

„Der Kunde spürt immer, wenn jemand nur so tut.“

Audrey RD

Eine Rolle zu spielen, kann ein paar Jahre gutgehen, aber irgendwann geht dir die Luft aus. Anthony nennt das Beispiel von Sébastien Roignant, Hochzeitsfotograf und YouTuber mit einem sehr ausgeprägten Stil: Manche lieben ihn, andere nicht, aber er lässt niemanden kalt. Im Gegensatz dazu ähneln sich die meisten Fotografen-Websites: derselbe Ton, dieselben Botschaften, keine Persönlichkeit, die Lust auf mehr macht.

Du musst nicht jedem Trend folgen

Audrey erzählt von einer Fotografin, die sich Sorgen machte, weil sie keine Lust auf Mini-Sessions hatte, obwohl „alle darüber reden“. Sie bevorzugte einen natürlichen, hellen Stil ohne Studiohintergrund. Audreys Antwort: „Wenn es dir Spaß macht, dann mach es. Wer hält dich davon ab?“

Das Wichtigste: Es gibt Platz für jeden Fotografen, solange Stil, Kommunikation und Preise zu ihm passen. Die Konkurrenz trifft vor allem diejenigen, die alle gleich aussehen.

4. Kooperationen entstehen aus Dankbarkeit

Die Geschichte des Château d'Orleix (Hautes-Pyrénées, Südwestfrankreich) ist einer der Höhepunkte der Folge und ein echtes Praxisbeispiel für eine lokale Kooperation.

  1. Erster Kontakt. Audrey fragt die Besitzerin Béatrice um Erlaubnis, ein Paar im Schloss zu fotografieren. Viele Fotografen kamen bereits dorthin.
  2. Der Unterschied. Nach dem Shooting nimmt sie sich die Zeit, ihr die Fotos zu zeigen, die in ihrem Schloss entstanden sind, und mit ihr zu reden, statt sofort wieder zu fahren.
  3. Öffentliche Wertschätzung. Bei jedem Beitrag nennt sie konsequent das Château d'Orleix, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, einfach als Dankeschön.
  4. Exklusivität. Berührt von dieser Geste machen Béatrice und Patrick sie zu ihrer exklusiven Fotografin.
  5. Das Studio. Schließlich bieten sie ihr an, ihr Studio in einem Raum des Schlosses einzurichten, wo sie fast sechs Jahre lang arbeitet.

Für Audrey hat dieser Ort ihren Kunden außerdem eine Geschichte zum Erzählen gegeben („mach deine Fotos in einem Schloss“). Dieses Etikett hängt ihr noch heute an, mehrere Jahre nachdem sie ein paar Meter weiter umgezogen ist.

Das Wichtigste: Partner nennen, die eigene Arbeit zeigen und die Beziehung pflegen sind kostenlose Marketingmaßnahmen, die eine Karriere verändern können.

5. Vorausplanen wie eine Modemarke

Audrey hat am Anfang in einem Surfshop gearbeitet. Die Marken stellten dort ihre Winterkollektionen mitten im Sommer vor, mit mindestens sechs Monaten Vorlauf.

Dieses Prinzip überträgt sie auf die Fotografie:

  • Plane deine Höhepunkte im Voraus: Weihnachten, Muttertag, Schulanfang, thematische Aktionen.
  • Hab einen Plan A, einen Plan B und einen Plan C. Die Corona-Krise 2020 hat es gezeigt: Fotografen, die vorausgeplant hatten, kamen besser durch den abrupten Stillstand.
  • Bereite deine Organisation vor. Audrey erzählt, dass ein Tool wie Fotostudio ihr geholfen hat, große Mengen zu bewältigen, vor allem bei ihren Weihnachts-Mini-Sessions: Buchungen, Rechnungen und E-Mails an Kunden. „Man macht sich gar nicht klar, wie wertvoll Zeit ist.“

„Wenn du nicht vorausplanst, stehst du irgendwann da und denkst: Ich dachte, ich schaffe das, aber ich verstehe nicht, warum es nicht klappt.“

Audrey RD

6. Wenn du bei deinem Preis zögerst, zögert auch dein Kunde

Die Preiskalkulation gehört für Audrey zu den Grundlagen des Marketings. Viele Fotografen, die kurz vor dem Burnout stehen, haben Preise, die weder zu ihren Werten noch zu der Kundschaft passen, die sie ansprechen wollen.

Die Blockade, die sie oft hört: „Solche Preise kann ich nicht verlangen, ich heiße ja nicht [bekannte Fotografin].“ Ihre Antwort:

„Es geht nicht darum, wie du heißt. Es geht um das Vertrauen in deine Arbeit. Wenn du zögerst, zögert dein Kunde auch.“

Audrey RD

Ihre Übung im Training: sich in den Kunden hineinversetzen und das eigene Angebot betrachten. „Würdest du es nehmen oder nicht?“ Wenn die Antwort mit „ähm…“ beginnt, ist das Angebot noch nicht fertig.

Aus dem Bauch heraus verkaufen: das Beispiel der Shootings nur für Frauen

Wenn Audrey ein Shooting nur für Frauen startet, weiß sie, dass es spätestens nach einer Woche ausgebucht ist. Warum? Weil sie es selbst erlebt hat. Deshalb findet sie die richtigen Worte für ihre Zielgruppe: Mamas, die sich viel Zeit für andere nehmen und wenig für sich selbst. „Ausnahmsweise nehmen wir uns Zeit für uns.“

Das Wichtigste: Du verkaufst nur gut, was du von innen heraus verstanden hast. Die richtigen Worte für deine Zielgruppe kommen aus dieser Erfahrung.

7. Das Kundenerlebnis ist dein bestes Marketing

Audrey unterscheidet zwei Arten von Kommunikation:

Direkte Kommunikation Indirekte Kommunikation
Beiträge, Werbung, Angebote, Kontaktaufnahme Kundenbeziehung, Aufmerksamkeiten, Empathie, Zuhören
Ziel: Kunden gewinnen Ziel: Kunden binden und Empfehlungen erhalten
Oft die einzige, an die man denkt Oft vernachlässigt, aber entscheidend

„Was deine Kunden erwarten, ist, verstanden zu werden.“

Audrey RD

Viele Fotografen glauben, ihren Kunden zuzuhören. Im Training stellt sich oft heraus, dass das nicht so ist.

Die Sicht des Kunden (und des Partners)

Anthony Heukmes erzählt von seiner Erfahrung als Kunde: Mit seiner Frau, die Fotografin ist, und ihrer Tochter war er bei sechs verschiedenen Fotografen zum Shooting. Für ihn als Nicht-Fotografen waren alle Fotos schön. Den Unterschied machte die gemeinsame Zeit:

  • bei manchen lächelte er höflich und wartete, bis das Shooting vorbei war;
  • bei anderen hatte er richtig Spaß.

Wenn er einen Fotografen empfiehlt, dann einen von diesen.

Audrey bestätigt das: Fotografen achten auf die Technik, die Familie erinnert sich an Vertrautheit, Natürlichkeit und gemeinsame Freude. Ihr Mann nannte den Fotografen, der verstanden hatte, was ihre Familie wollte, ein „Goldstück“.

Alles hängt zusammen: Eine Kommunikation, die zu dir passt, zieht Kunden an, die zu dir passen. Sie haben eine schöne Zeit und empfehlen dich dann weiter.

Die häufigsten Marketing-Fehler von Fotografen

Die Fallen, die du laut der Folge vermeiden solltest:

✗ Ziele nur im Kopf behalten, statt sie aufzuschreiben.

✗ Sich zu viele Aufgaben vornehmen und dabei den Mut verlieren.

✗ Texte anderer Fotografen kopieren. Deine Worte sind bereits Marketing, denn durch sie verkaufst du dich selbst.

✗ Marketing auf Werbung und SEO reduzieren und dabei Botschaft und Zielgruppe vergessen.

✗ Eine Rolle spielen, um dem zu entsprechen, was bei anderen „funktioniert“.

✗ Preise festlegen, an die man selbst nicht glaubt.

✗ Das Kundenerlebnis vernachlässigen und die indirekte Kommunikation gleich mit.

✗ Nicht vorausplanen, weder für Saisons noch für Unvorhergesehenes.

✗ Glauben, man sei angekommen: Audrey bildet sich jedes Jahr weiter.

FAQ: Marketing und Ziele für Fotografen

Wie finde ich als Fotograf mehr Kunden?

Lege zuerst deine Zielgruppe fest und die Botschaft, die sie anspricht, und entwickle dann eine wiedererkennbare visuelle Identität. Danach gestaltest du das Kundenerlebnis so, dass Mundpropaganda entsteht. Lokale Kooperationen (Locations, Dienstleister), die du in deinen Beiträgen konsequent nennst, sind ebenfalls ein wirksamer Hebel, wie das Beispiel von Audrey RD mit dem Château d'Orleix zeigt.

Wie hebe ich mich als Fotograf von der Konkurrenz ab?

Indem du eine Bildwelt erschaffst, die nur dir gehört, und in deiner Kommunikation authentisch bleibst. Laut Audrey RD spürt der Kunde immer, wenn jemand nur so tut, und bei technisch vergleichbaren Fotografen macht die Persönlichkeit den Unterschied.

Wie setze ich mir als selbstständiger Fotograf Ziele?

Schreib sie auf, beschränke dich auf etwa drei Aufgaben pro Monat und reserviere jede Woche eine feste Zeit für dein Marketing. Ein Ziel, das nicht aufgeschrieben ist, bleibt eine Absicht; eine zu lange Liste führt zu Frust.

Ist Marketing für Fotografen nur Social Media und Werbung?

Nein. Marketing beginnt mit der Wahl deiner Zielgruppe und der Botschaft, die du an sie richtest. Dazu gehört auch die „indirekte Kommunikation“: Kundenbeziehung, Zuhören, Empathie und kleine Aufmerksamkeiten, die Kunden binden.

Wie kalkuliere ich als Fotograf meine Preise, ohne mich zu unterschätzen?

Richte deine Preise an der Kundschaft aus, die du ansprechen willst, und an dem Wert, den du deiner Arbeit beimisst. Teste dein Angebot dann, indem du dich in den Kunden hineinversetzt. Wenn du beim Nennen deines Preises zögerst, zögert auch der Kunde.

Lohnt sich Marketing auch für Fotografen am Anfang?

Ja. Audrey RD schult sowohl Einsteiger als auch Fotografen, die seit zehn Jahren selbstständig sind. In jeder Phase der Karriere braucht man irgendwann Marketing, und Einsteiger sind in Trainings genau richtig.

Wie spare ich als Fotograf Zeit bei der Büroarbeit?

Indem du Kunden, Buchungen, Angebote, Rechnungen und E-Mails in einer Software bündelst, die für Fotografen entwickelt wurde, zum Beispiel Fotostudio. Audrey RD erzählt, dass sie damit ihre Weihnachts-Mini-Sessions organisiert hat, und die gewonnene Zeit kannst du in Fotografie und Marketing stecken.

Dieser Artikel basiert auf Folge #005 des Fotostudio Podcasts (auf Französisch), aufgenommen Ende 2020. Die Tipps sind nach wie vor aktuell.

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