Früher Webprojektleiterin in der Versicherungsbranche, hat Amélie Marzouk mit Familienfotografie angefangen, bevor sie Businessfotografin in Paris wurde. 90 % Kundinnen, Personal Branding, LinkedIn als wichtigstes Schaufenster: Sie erzählt, wie sie das Business-Porträt entstaubt hat.
Kurz zusammengefasst:
Um als Businessfotograf erfolgreich zu sein, setzt Amélie Marzouk auf ein paar Grundsätze:
• Über das Passfoto hinausgehen: Ihre Kundinnen wollen ein Bild ihrer Persönlichkeit, ihrer Werte, ihrer Marke
• Dem Kunden die Anspannung nehmen: Ob jemand fotogen wirkt, hängt weniger von Schönheit ab als vom Vertrauen, das während des Shootings entsteht
• Auf LinkedIn posten, ohne je zu verkaufen: zwei bis drei Beiträge pro Woche, Fragen, Vorher-nachher-Bilder, Blicke hinter die Kulissen
• Die Bereiche trennen: eine Website für Businessfotos, eine andere für Familien, damit sich jeder Kunde sofort am richtigen Ort fühlt
• Zum eigenen Stil stehen, wie zu ihrem Markenzeichen: dem Farbporträt vor schwarzem Hintergrund
Businessfotos: Viele Fotografen bieten sie an, um ihre Wochen zu füllen, oft ohne große Leidenschaft. Bei Amélie Marzouk war das anfangs genauso. Dann hat ihr eine Porträtschulung gezeigt, dass man „das Business-Porträt entstauben“ und in der Begegnung mit dem Gegenüber viel weiter gehen kann.
Im Gespräch mit Anthony Heukmes erklärt sie, wer ihre Kunden sind, wie sie sie fotogen macht, warum LinkedIn zu ihrem besten Kanal für die Kundengewinnung geworden ist und was ihr nach wie vor schwerfällt: Abzüge an eine Geschäftskundschaft zu verkaufen. Eine hilfreiche Folge für alle Fotografen, die überlegen, ins Business-Porträt einzusteigen.
Wer ist Amélie Marzouk?
Amélie Marzouk ist Porträtfotografin in Paris. Zum Zeitpunkt der Aufnahme der Folge, Anfang 2021, ist sie 40 Jahre alt, arbeitet seit fast sieben Jahren als professionelle Fotografin und widmet 60 bis 70 % ihrer Tätigkeit dem Porträt, vor allem dem Business-Porträt und dem Personal Branding.
- Eine Quereinsteigerin: Nach einem Studium der Psychologie und dann der Kommunikation war sie über zehn Jahre lang Projektleiterin für Webmarketing in der Versicherungsbranche.
- Anfänge mit Familien: Babys, Schwangerschaften, Familien und Junggesellinnenabschiede, bevor sie im Mai 2018 ihr Studio eröffnete.
- Eine ausgebildete Porträtfotografin: Sie bildet sich regelmäßig bei Porträtfotografen weiter, die sie bewundert.
Ihr Werdegang erinnert an den anderer Gäste des Podcasts, etwa an den Quereinstieg von Émilie Zangarelli: eine erste Karriere weit weg von der Fotografie, deren Kompetenzen am Ende dem neuen Beruf zugutekommen.
Laut ihrer heutigen Website bietet ihr 2014 gegründetes Studio im 17. Arrondissement von Paris (mit einer Präsenz in Marrakesch) hochwertige Porträts an: Business, LinkedIn, Personal Branding, persönliche Porträts und Model-Sedcards. Sie verspricht dort, jeden mit seinem eigenen Bild zu „versöhnen“, mit Shootings ohne starre Posen, arbeitet inzwischen mit einem Team von Fotografen, bildet andere Fotografen aus, moderiert den Podcast „Miroirs“ und war im Fernsehen zu sehen (France Télévisions, M6). Diese Angaben stammen von ihrer aktuellen Website; die Folge selbst ist von 2021.
1. Warum von der Familienfotografie zu Businessfotos wechseln?
Als Amélie anfängt, begeistert sie sich für Familien, Babys und Schwangerschaften. Diese Shootings finden aber vor allem am Wochenende statt. Als sie im Mai 2018 ihr Studio eröffnet, denkt sie sich, dass ein paar Businessaufträge ihr Angebot erweitern und ihre Wochen füllen könnten.
Der Wendepunkt kommt mit einer Schulung bei Milena, die seit rund fünfzehn Jahren Porträts fotografiert. Sie zeigt ihr, dass das Porträt weit über das klassische Businessfoto hinausgeht: Man kann Spaß haben, in der Begegnung weiter gehen und nach etwas Intimerem in der Persönlichkeit der Menschen suchen. Danach besucht Amélie weitere Porträtschulungen.
„Was mir an Porträts besonders gefällt, ist die Begegnung und die Verbindung. Ein bisschen wie eine intime Beichte, ein wirklich zeitloser Moment zwischen meinem Kunden und mir.“
Amélie Marzouk
Zurück zur ersten Liebe
Amélie hat mit 15 Jahren mit dem Fotografieren angefangen, mit Porträts. Mit der Spezialisierung hat sie also das Gefühl, zu dem zurückzukehren, was sie ursprünglich angetrieben hat. Familien fotografiert sie weiterhin, vor allem für frühere Kunden, die wiederkommen, aber im Porträt blüht sie am meisten auf.
Merke: Businessfotografie kann als Ergänzung unter der Woche beginnen. Ein richtiger Beruf wird daraus, wenn du sie als Porträt behandelst und nicht als aufgehübschtes Passfoto.
2. Wer sind die Kunden eines Businessfotografen?
Am Anfang sind ihre ersten Businesskunden ihre Familienkunden, denen sie erzählt, dass sie auch Business-Porträts macht. Dann zeichnet sich ihre Kundschaft deutlich ab: 90 % Frauen, davon 70 % Unternehmerinnen, die meisten um die 40. Sie finden sie über Mundpropaganda oder über LinkedIn.
Personal Branding an erster Stelle
Diese Unternehmerinnen wollen nicht einfach nur ein Foto. Sie wollen ein Bild, das ihre Persönlichkeit, ihre Identität und ihre Werte zeigt: kurz gesagt, ihre Marke. Dieses Bild nutzen sie dann überall: im LinkedIn-Profil, auf ihrer Website, in Interviews, in Podcasts.
Warum so wenige 25-Jährige? Amélie hat zwei Erklärungen. Erstens zieht man Menschen an, die einem ähneln: Sie ist 40, hat selbst den Beruf gewechselt, und viele ihrer Kundinnen sind in derselben Situation. Zweitens braucht man mit 40 oft jemanden, dem man vertraut, um sich auf Fotos schön und gut dargestellt zu fühlen.
Im Studio, aber auch im Unternehmen
Die meisten ihrer Kunden kommen ins Studio. Sie arbeitet aber auch für große Unternehmen und große Anwaltskanzleien. Dann kommt sie mit ihrem Hintergrund und ihrem Licht vor Ort und macht im Laufe des Tages eine ganze Serie von Porträts. Oft ergänzt sie diese um Porträts in Arbeitssituationen, etwa am Schreibtisch sitzend und im natürlichen Licht, um eine Variante für die verschiedenen Kommunikationskanäle zu liefern.
Anthony vergleicht das mit der Arbeit eines Schulfotografen. Der Unterschied, sagt Amélie lächelnd: Es sind keine Vierjährigen, und man muss Erwachsene entspannen, die oft gar keine Lust haben, da zu sein.
Merke: Ein Businessfotograf hat zwei klar unterschiedliche Kundengruppen: Selbstständige, die wegen ihres Markenauftritts kommen, und Unternehmen, die eine Porträtserie vor Ort bestellen.
3. Wie macht man einen Kunden fotogen, der sich selbst nicht fotogen findet?
„Ich bin nicht fotogen“: Diesen Satz hört Amélie am häufigsten zu Beginn eines Shootings. Ihre Antwort ist immer dieselbe: Genau das ist ihr Job, Menschen fotogen zu machen. Für sie hängt Fotogenität vor allem davon ab, wie wohl sich jemand fühlt. Ein verkrampfter Mensch wird nie fotogen sein, selbst mit einem wunderschönen Lächeln.
„Über die Technik eines Porträtfotografen hinaus geht es wirklich um seine Fähigkeit, dem anderen die Anspannung zu nehmen und Vertrauen aufzubauen, um das Beste herauszuholen.“
Amélie Marzouk
Das Shooting vorbereiten: die Absicht verstehen
Vor jedem Shooting spricht Amélie mit ihrem Kunden, um zu verstehen, was er ausstrahlen möchte. Am Morgen der Aufnahme wollte ein Immobilienmakler aus dem Premiumsegment lockere Fotos, auf keinen Fall etwas Steifes. Jeder Kunde hat je nach Persönlichkeit, eigener Kundschaft und gewünschter Wirkung andere Erwartungen. Ein Fragebogen vor dem Shooting hilft dir, diese Fragen schon im Vorfeld zu klären.
Und wenn der Kunde nicht weiß, was er will? Dann führt Amélie ihn dorthin. Ihre doppelte Ausbildung in Psychologie und Kommunikation verbindet Zuhören und Branding: Sie lässt die Person über ihr Projekt und ihre Vision für das kommende Jahr erzählen und spürt intuitiv, was sichtbar werden soll.
Die Fotos während des Shootings zeigen
Amélie zeigt dem Kunden die Bilder nach und nach, um ihn zu beruhigen und zu prüfen, ob das Ergebnis seinen Erwartungen entspricht. Sie spricht von 99 % Zufriedenheit. Ihre schönste Belohnung: eine Kundin, die sich vor einem stressigen Termin noch einmal ihr Porträt ansieht, um sich daran zu erinnern, wie andere sie sehen.
Fotogenität ist keine Frage der Schönheit
Eine Anekdote aus ihren Anfängen hat sie überzeugt. Für eines ihrer ersten Porträts fotografiert sie einen jungen Mann, der eine Sedcard für eine Modelagentur braucht. Er ist objektiv sehr attraktiv, und trotzdem sieht er auf dem Display ihrer Kamera „hässlich“ aus: Sie hatte ihn nicht richtig ins Bild gesetzt. Man kann bei einem sehr schönen Menschen alle Makel hervorheben und jemanden vorteilhaft zeigen, der nicht den klassischen Schönheitsidealen entspricht.
Selbst vor die Kamera treten
Jedes Jahr lässt sich Amélie von einem anderen Porträtfotografen fotografieren, und jedes Jahr fürchtet sie sich vor dem Shooting, bevor sie begeistert wieder herauskommt. Darin sieht sie einen häufigen Fehler von Fotografen: sich nie in die Lage des Kunden zu versetzen.
„Wir können den Leuten nicht sagen, sie sollen zu uns kommen, und selbst nie zum Fotografen gehen.“
Amélie Marzouk
Die Sorgfalt beim Kundenerlebnis zeigt sich auch in praktischen Details. Am Ende der Folge erzählt Amélie, dass sie am Vorabend jedes Shootings noch von Hand eine kurze Nachricht schickt, um den Termin zu bestätigen. Genau das kann ein automatisierter Workflow für dich übernehmen.
Merke: Ein gutes Business-Porträt wird vor dem Shooting vorbereitet (die Absicht), währenddessen aufgebaut (Vertrauen, live gezeigte Bilder) und auch von der anderen Seite der Kamera aus erlebt.
4. Wie findet man Businesskunden auf LinkedIn?
Amélie hat nie große Unternehmen aktiv akquiriert. Ihre beiden Kundenquellen: Mundpropaganda und LinkedIn. Ihr früheres Netzwerk in der Versicherungsbranche und in der Werbung, wo ihr Mann arbeitete, hat ihr einen echten Schub gegeben. Am Anfang hat sie außerdem Menschen aus ihrem Umfeld, die selbst ein großes Netzwerk hatten, Porträts geschenkt.
Posten, ohne je zu verkaufen
Sie postet zwei- bis dreimal pro Woche und schreibt nie „Kommt zu einem Shooting ins Studio“. Sie will Neugier wecken und Interaktion erzeugen. Ihr früherer Beruf im Webcontent hilft ihr, ihre Beiträge zu strukturieren. Einige Formate, die bei ihr funktionieren:
- Fragen: Ein Artikel mit dem Titel „Bist du fotogen?“ wird garantiert angeklickt.
- Gewinnspiele: Ihr Gewinnspiel vor Weihnachten erreichte 28.000 Aufrufe, und viele Teilnehmer, die nicht gewonnen hatten, buchten ein Porträt.
- Vorher-nachher: Sie veröffentlicht das alte Foto eines Kunden neben seinem neuen Porträt und bedankt sich bei ihm. Seine Kontakte kommentieren, und so entdeckt das Netzwerk ihres Netzwerks ihre Arbeit.
- Blicke hinter die Kulissen: Ein kurzes Live-Video aus dem Studio, in dem sie vor ihren Shootings des Tages Hallo sagt, kam sehr gut an.
- Überraschung: Auf LinkedIn hat sie mit Babyfotos angefangen, als Kontrast zu den etwas strengen Businessfotos im Feed.
„Bei Businessfotos sagen mir Leute: Ich hatte gar nicht vor, ein Foto machen zu lassen, aber wenn ich deine Bilder sehe, bekomme ich Lust darauf. Ich schaffe also einen Bedarf, den sie vorher nicht hatten.“
Amélie Marzouk
Warum Fotografen LinkedIn zu wenig nutzen
Anthony betont die organische Reichweite des Netzwerks: Wenn jemand deinen Beitrag kommentiert, sehen ihn auch dessen eigene Kontakte. Und die meisten Mitglieder bleiben Zuschauer; wer jede Woche postet, ist selten und damit sichtbar. Ein weiterer Vorteil: Ein Beitrag lebt etwa eine Woche und verschwindet dann aus dem Feed. LinkedIn wird so zum Sandkasten, in dem du ohne großes Risiko Ideen testen kannst.
Er sieht darin sogar eine Chance für Familienfotografen, die sich abheben wollen: Auch auf LinkedIn gibt es Mütter und Väter. Amélie ergänzt, dass sich dort vor allem Führungskräfte zwischen 30 und 40 tummeln, je nach Positionierung eine sehr interessante Zielgruppe.
Merke: Auf LinkedIn verkaufst du nicht, du weckst Lust. Regelmäßigkeit, Fragen und das Hervorheben deiner Kunden lassen dein Netzwerk für dich arbeiten.
5. Sollte man sich auf Business-Porträts spezialisieren?
Amélie hat verschiedene Bereiche ausprobiert: eine Schulung in Neugeborenenfotografie, eine in Foodfotografie, Versuche bei Hochzeiten. Ihr Fazit: Das war nichts für sie. Die gestellte Neugeborenenfotografie, langsam und mit viel Geduld verbunden, passte nicht zu ihr. Ihre wahre Leidenschaft sind Menschen und das Gespräch.
„Ich glaube, man kann nicht alles machen, sonst ist der Kunde verloren.“
Amélie Marzouk
Eine Website pro Bereich
Deshalb hat sie mehrere Websites: Wer ein Business-Porträt sucht, soll nicht auf Babys, Hunde und Familien stoßen und sich fragen, ob er hier richtig ist. Ihre Familien-Website war übrigens sehr gut bei Google platziert, im Gegensatz zu ihrer Business-Website, die vor allem von LinkedIn lebt. Wenn du überlegst, deine Bereiche zu trennen, sorgt eine eigene Fotografen-Website pro Bereich für eine klarere Botschaft und eine bessere Auffindbarkeit.
Spezialisiert, aber nicht nur auf einen Bereich
Die Coronakrise hat ihre Haltung nuanciert. Nach drei Monaten Schließung im ersten Lockdown ist sie dank zweier Säulen gut durchgekommen: Familien, die für ein zweites oder drittes Baby wiederkamen, und die Mundpropaganda im Businessbereich. Ihr Gleichgewicht: als Porträtexpertin wahrgenommen zu werden und die Familienfotografie für ihre früheren Kunden beizubehalten.
Und in einer Kleinstadt?
Amélie kennt keinen reinen Businessfotografen auf dem Land, rät aber, das Angebot eher als Porträt statt als Businessfoto zu präsentieren. Man kommt für ein LinkedIn-Porträt oder ein Markenporträt und nutzt die Gelegenheit, auch schöne persönliche Fotos zu bekommen. Viele ihrer Kunden kommen übrigens in Umbruchphasen: neuer Job, Scheidung, Mutterschaft.
Merke: Probiere mehrere Bereiche aus und behalte die, die zu dir passen. Und präsentiere jeden Bereich separat, damit sich deine Kunden sofort wiedererkennen.
6. Wie hebt man sich von anderen Businessfotografen ab?
Laut Amélie machen viele Fotografen Businessfotos, um ihr Angebot zu erweitern, ohne echte Leidenschaft. Und dann gibt es die leidenschaftlichen Porträtfotografen, eine kleine Gruppe in Paris, die sie nicht als echte Konkurrenz sieht: Jeder arbeitet mit seiner eigenen Persönlichkeit, und die Kunden des einen sind nicht unbedingt die des anderen.
Sie stellt außerdem fest, dass sie sich in der Familienfotografie viel weniger abgehoben hat: Viele Fotografinnen bieten ungefähr dasselbe an. Bei Businessfotos springt ihre Besonderheit sofort ins Auge.
Farbe vor schwarzem Hintergrund: ihr Markenzeichen
Ihr Signaturbild: das Farbporträt vor schwarzem Hintergrund. Als sie anfing, galt für viele, dass ein schwarzer Hintergrund zwangsläufig Schwarzweiß bedeutet, im Stil des Pariser Studio Harcourt. In einer Schulung erklärte ihr ein Fotograf sogar, dass man einen Hintergrund so nicht ausleuchte. Sie ist bei ihrer Art geblieben, und genau deswegen kommen ihre Kunden zu ihr.
„Je authentischer wir in dem sind, was wir tun, desto mehr Kunden ziehen wir an.“
Amélie Marzouk
Dazu kommt eine weitere Zutat: Freude. Auch wenn sie müde ist, wirkt der Zauber, sobald der Kunde da ist, die Musik läuft und sie hat Spaß. Für sie ist das die Hälfte des Geschäfts. Und sie hört nie auf zu lernen: Sie vergleicht ihre Fotos von vor fünf Jahren mit ihren heutigen und rät Fotografen, die anfangen, sich weiterzubilden und zu „shooten, shooten“.
Merke: Beim Business-Porträt wirst du genauso für deine Person gebucht wie für deine Bilder. Zeig deine Persönlichkeit in deiner Kommunikation und trau dich, einen Stil zu haben, der wirklich deiner ist.
7. Kann man bei Businessfotos Abzüge verkaufen?
Diese Schwierigkeit gibt Amélie offen zu. Zusätzliche Fotos über ihr Paket hinaus verkauft sie problemlos, schöne Abzüge aber noch nicht. Dabei kosten ihre Business-Shootings genauso viel wie ihre Familien-Shootings. Das Ergebnis: Um den Umsatz eines Familien-Shootings mit Produkten zu erreichen, braucht sie zwei Business-Shootings. Das solltest du berücksichtigen, wenn du deine Preise als Fotograf kalkulierst: Ohne Zusatzprodukte muss das Paket den Großteil des Werts abdecken.
Der Geldbeutel deiner Kunden ist nicht deiner
Woher kommt die Blockade? Amélie erklärt es offen: Sie kauft ohne zu zögern ein Handy für 1.200 Euro, findet es aber undenkbar, dass ein Kunde bei ihr so viel ausgibt. Für ihre Pakete schämt sie sich nicht mehr, da sie weiß, was ihre Arbeit wert ist, aber die Marge auf Produkte ist ihr unangenehm. Anthony erinnert sie an einen Satz, der im Podcast gefallen ist: Der Geldbeutel deiner Kunden ist nicht deiner.
„Es gibt keinen Grund, warum sie danach keine hochwertigen Produkte kaufen wollen sollten, wenn man sie gut präsentiert und sich nicht dafür entschuldigt, teure Produkte verkaufen zu wollen.“
Amélie Marzouk
Ihr Ziel für 2021: im Businessbereich Papierabzüge zu verkaufen. Sie plant, jedes Shooting mit ein paar persönlicheren Fotos abzuschließen und zunächst Abzüge zu verschenken, um sich an das Produkt zu gewöhnen, bevor sie es aktiv anbietet. Ein Bildpräsentationstermin mit dem Kunden ist oft der beste Moment, um diese Produkte vorzustellen. Anthony schlägt außerdem vor, sich von einem Verkaufscoach begleiten zu lassen. Amélie behält den Verkauf aber lieber selbst in der Hand: Sie verkörpert ihre Marke von A bis Z.
Businesskunden, die wiederkommen
Eine schöne Überraschung: Je länger sie im Geschäft ist, desto häufiger kommen ihre Businesskunden wieder, manchmal Jahr für Jahr. Sie sind starke Empfehlungsgeber, weil sie auf LinkedIn sehr aktiv sind, und kommen danach oft für ein Familien-Shooting zurück.
Merke: Bei Businessfotos hängt der durchschnittliche Umsatz am Paketpreis. Leg ihn entsprechend fest und biete Abzüge als natürliche Fortsetzung eines hochwertigen Erlebnisses an, ohne dich zu entschuldigen.
8. Darf man die Porträts seiner Kunden veröffentlichen?
Bei Businessfotos lehnen Kunden eine Veröffentlichung selten ab, anders als Familien, die ihre Kinder nicht immer zeigen möchten. Die meisten sind sogar stolz darauf und fragen von sich aus danach. Amélie respektiert aber diejenigen, die nicht gezeigt werden möchten, vor allem auf Instagram.
Große Anwaltskanzleien, besonders angelsächsische, lehnen in der Regel ab: Ihre Bildrichtlinien sind streng und sie wollen nicht, dass ihre Porträts beliebig veröffentlicht werden. Kläre diesen Punkt am besten von Anfang an, zum Beispiel in deinen Fotografenverträgen.
Außerdem veröffentlicht Amélie nicht jeden: Sie wählt die Porträts danach aus, welche Kunden sie anziehen möchte. Wenn man ihr sagt, dass sie viele Frauen zeigt, liegt das schlicht daran, dass 90 % ihrer Kundschaft weiblich ist und sie am liebsten Frauen fotografiert.
Merke: Jedes Porträt, das du auf LinkedIn veröffentlichst und markierst, öffnet deine Arbeit für das Netzwerk deines Kunden. Vorausgesetzt, du hast sein Einverständnis und wählst bewusst aus, was du zeigst.
Die Folge wurde Anfang 2021 während der Coronakrise aufgenommen. Amélie spricht darin über einen Fotoband, den sie während des ersten Lockdowns realisiert hat und der damals über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert wurde, sowie über eine Ausstellung nach dem Lockdown. Diese Projekte und die genannten Zahlen beziehen sich auf diese Zeit.
Fehler, die du als Businessfotograf vermeiden solltest
Aus der Erfahrung von Amélie Marzouk:
✗ Businessfotos ohne Leidenschaft machen, nur um den Kalender zu füllen, und aufgehübschte Passfotos abliefern.
✗ Den Vertrauensaufbau vernachlässigen: Ein verkrampfter Kunde wird nie fotogen sein, egal wie gut die Technik ist.
✗ Fotografieren, ohne die Absicht des Kunden zu kennen: seriös oder locker, die gewünschte Wirkung ändert alles.
✗ Alle Bereiche auf einer einzigen Website mischen, mit dem Risiko, den Businesskunden zwischen zwei Babyfotos zu verlieren.
✗ Auf LinkedIn plump verkaufen, statt mit regelmäßigen Inhalten Lust zu wecken.
✗ Den eigenen Geldbeutel auf den der Kunden übertragen und sich dafür entschuldigen, hochwertige Produkte anzubieten.
✗ Nie selbst vor die Kamera treten und vergessen, wie sich der Kunde fühlt.
FAQ: Businessfotograf werden
Wie werde ich Businessfotograf?
Bilde dich im Porträt weiter, nicht nur im klassischen Passfoto, und baue dann ein Portfolio auf, indem du einigen Menschen aus deinem Netzwerk ein Shooting schenkst. Amélie Marzouk, die von der Familienfotografie zu Businessfotos gewechselt ist, hat sich bei erfahrenen Porträtfotografen weitergebildet und für die Kundengewinnung auf LinkedIn und Mundpropaganda gesetzt.
Wer sind die Kunden eines Businessfotografen?
Es gibt zwei Hauptgruppen: Selbstständige und Unternehmer, die ein Markenbild für LinkedIn, ihre Website oder die Presse wollen, und Unternehmen, die eine Porträtserie ihrer Teams bestellen, oft direkt vor Ort. Bei Amélie Marzouk besteht die Kundschaft zu 90 % aus Frauen, davon 70 % Unternehmerinnen.
Wie finde ich als Fotograf Kunden auf LinkedIn?
Poste regelmäßig, zwei- bis dreimal pro Woche, ohne direkt zu verkaufen. Stelle Fragen, teile Vorher-nachher-Bilder deiner Kunden, bedanke dich bei ihnen und markiere sie, zeig Einblicke hinter die Kulissen deines Studios. Jeder Kommentar öffnet deinen Beitrag für das Netzwerk der jeweiligen Person, sodass sich deine Arbeit Schritt für Schritt herumspricht.
Wie wirkt man auf Fotos fotogen, wenn man sich selbst nicht fotogen findet?
Indem man sich wohlfühlt. Fotogenität hängt vor allem von Entspanntheit ab: Ein verkrampfter Mensch wird nie fotogen sein. Sprich vor dem Shooting über die gewünschte Wirkung, zeig der Person die Fotos während des Shootings, um sie zu beruhigen, und achte auf den Bildausschnitt, der jedes Gesicht vorteilhaft oder unvorteilhaft zeigen kann.
Was kostet ein Business-Fotoshooting?
Einen Einheitspreis gibt es nicht, aber beachte einen wichtigen Punkt: Bei Businessfotos werden kaum Zusatzprodukte verkauft. Amélie Marzouk berechnet denselben Preis wie für ein Familien-Shooting und braucht deshalb zwei Business-Shootings, um den Umsatz eines Familien-Shootings mit Abzügen zu erreichen. Das Paket muss also den Großteil des Werts abdecken.
Kann man Businesskunden Abzüge verkaufen?
Das ist möglich, aber schwieriger, weil die Porträts in erster Linie für das Web gedacht sind. Amélie Marzouk macht am Ende des Shootings ein paar persönlichere Fotos und verschenkt zunächst Abzüge, um ihre Kunden an das Produkt heranzuführen. Entscheidend ist, diese hochwertigen Produkte als natürliche Fortsetzung des Erlebnisses zu präsentieren, ohne sich für den Preis zu entschuldigen.
Brauche ich eine eigene Website für Businessfotografie?
Das ist empfehlenswert, wenn du auch Familien oder Neugeborene fotografierst. Wer ein Business-Porträt sucht, sollte sich schon auf der Startseite am richtigen Ort fühlen, ohne auf Babyfotos zu stoßen. Amélie Marzouk hat deshalb mehrere Websites, eine pro Bereich, was auch die Auffindbarkeit jedes Angebots bei Google verbessert.
Die Arbeit von Amélie Marzouk entdecken
Business-Porträts, LinkedIn und Personal Branding, persönliche Porträts und Sedcards in ihrem Studio im 17. Arrondissement von Paris: Ihre Arbeit findest du auf ihrer Website, studio-amelie-marzouk.com.
Dieser Artikel basiert auf Folge #020 des Fotostudio-Podcasts (auf Französisch), moderiert von Anthony Heukmes und aufgenommen Anfang 2021. Die Zitate von Amélie Marzouk wurden aus dem Französischen übersetzt. Ihre Tipps sind nach wie vor aktuell.
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