Mathilde Anceaume, Newborn Fotografin in der Schweiz, hat sich vor ihrem allerersten Shooting von Hebammen ausbilden lassen. Sie erklärt, wie man die Signale eines Babys liest, warum manche Posen gefährlich sind und wie schöne Bilder entstehen, ohne ein Neugeborenes jemals zu etwas zu zwingen.

Kurz zusammengefasst:

Für Newborn Fotografin Mathilde Anceaume beginnt ein gelungenes Shooting mit einem Baby, das sich wohlfühlt:

• Sich ausbilden lassen, bevor man ein Baby berührt: Vor ihrem ersten Newborn Shooting absolvierte sie zwei Ausbildungstage bei einer Hebamme und einer Ausbilderin für Perinatalität

• Signale von Unbehagen lesen: Hautfarbe, Atmung, Haltung der Hände, Temperatur; ein Baby kommuniziert unglaublich viel

• Niemals eine Pose erzwingen: Sie probiert Rücken, Seite und Bauch aus und behält die Position, die das Baby selbst wählt

• Reflexe statt Hände nutzen: Ein sanftes Streichen über Fuß oder Wange genügt oft, damit sich das Baby von selbst bewegt

• Entspannte Eltern: Ankunft ohne feste Uhrzeit, Shootings von einer bis drei Stunden, Stillpausen inklusive

• Ein Stil, der die richtigen Kunden anzieht: natürliche Materialien, Braun- und Grüntöne und Bilder, die den echten Charakter des Babys zeigen

Babys, die in Hängematten hängen, Köpfchen auf die Hände gestützt, Shootings von vier Stunden: Die Neugeborenenfotografie hat einige Auswüchse erlebt, während die Zahl der Fotografen explodierte. Mathilde Anceaume, eine Französin, die sich in der Schweiz niedergelassen hat, verteidigt einen anderen Ansatz: sich bei Fachleuten rund um die Geburt ausbilden lassen, jedem Baby zuhören und es nie zu etwas zwingen.

Im Gespräch mit Eloa Landais, Fotografin und verantwortlich für die Schulungen bei Fotostudio (die beiden haben 2006 gemeinsam ihr CAP Foto abgelegt), erzählt sie von ihrer Ausbildung bei der ASPPNN (Association Suisse des Photographes Professionnels de Nouveau-Nés, ein Schweizer Verband professioneller Neugeborenenfotografen), von ihren Tricks, ein Baby zu lagern, ohne es zu manipulieren, und davon, wie sie die Eltern vorbereitet. Eine unverzichtbare Folge für alle Fotografen, die Babys im Alter von wenigen Tagen in ihrem Studio empfangen oder empfangen möchten.

Wer ist Mathilde Anceaume?

Mathilde Anceaume ist eine französische Fotografin für Neugeborene, Schwangerschaft und Familie, die in der Schweiz lebt. Zum Zeitpunkt der Aufnahme, Anfang 2021, ist sie seit drei Jahren selbstständig und arbeitet in einem Studio, das sie bei sich zu Hause eingerichtet hat. Ihr Werdegang:

  • Ein CAP Foto im Jahr 2006 (ein französischer Berufsabschluss, vergleichbar mit einer Ausbildung zur Fotografin), gemeinsam mit Eloa Landais, danach zwei Jahre an den Gobelins, einer renommierten Schule für Bild und Medien in Paris.
  • Bildbearbeiterin für einen Onlineshop: Katalogretusche am Fließband, weit entfernt von der hochwertigen Werberetusche, für die sie ausgebildet worden war.
  • Eine Weiterbildung in Webdesign und Grafik, ebenfalls an den Gobelins, dann der Umzug in die Schweiz, wo sie vier Jahre lang als Grafikerin, Bildbearbeiterin und Fotografin angestellt ist.
  • Eine betriebsbedingte Kündigung, als ihre Tochter etwa drei Jahre alt ist: die Gelegenheit, sich dem zu widmen, was sie wirklich liebt, Porträts und Familien.

„Ich brauche Menschen, zumindest etwas Lebendiges auf meinen Bildern, sonst finde ich sie uninteressant.“

Mathilde Anceaume

Sie ist außerdem aktives Mitglied der ASPPNN, deren allererste Ausbildung sie 2017 absolviert hat. Laut ihrer heutigen Website, mathildeanceaume.com, fotografiert Mathilde Familien in ihrem Studio in La Chaux-de-Fonds im Kanton Neuenburg (Neuchâtel) und in der ganzen Schweiz: Schwangerschaft, Neugeborene, Geburt, Paare und außergewöhnliche Hochzeiten. Für Selbstständige und Unternehmen bietet sie außerdem Personal-Branding-Porträts, Produktfotos und die Betreuung von Social-Media-Kanälen an.

1. Warum sollte man sich ausbilden lassen, bevor man Neugeborene fotografiert?

Mathilde beschreibt sich als „sehr symbiotische“ Mama, der eine liebevolle, achtsame Erziehung am Herzen liegt. Als sie sich selbstständig machte, stellte sie sich eine einfache Frage: Hätte sie bei der Geburt ihrer Tochter ihr Baby einer fremden Person anvertraut? Die Antwort war Nein. Also beschloss sie, kein einziges Neugeborenes zu fotografieren, bevor sie von Fachleuten rund um die Geburt gelernt hatte, wie man ein Baby berührt, wie man versteht, was es ausdrückt, und wie man seine Eltern begleitet.

„Wir gehören zu den Ersten, die die Familien nach der Ankunft des Babys sehen, deshalb ist es schön, ihnen gegenüber eine stimmige Haltung zu vertreten.“

Mathilde Anceaume

Eine fast medizinische Ausbildung

Sie hatte sich bereits bei anderen Fotografen weitergebildet, ohne dort zu finden, was sie suchte. Dann entdeckte sie die 2017 gegründete ASPPNN, deren Ausbildung von einer Hebamme und einer Ausbilderin für Perinatalität konzipiert wurde. Zwei intensive Tage, in denen es nur sehr wenig um Fotografie geht:

  • Theorie: wie das Gehirn eines Neugeborenen funktioniert, was bei der Geburt schon ausgereift ist und was nicht, und welchen Umbruch die Eltern erleben.
  • Praxis unter Fotografen, ohne Baby: Übungen mit verbundenen Augen, um die Berührung zu spüren, denn ein Neugeborenes sieht noch schlecht.
  • Eine Bildbesprechung: Sieht das Baby aus, als würde es frieren? Wirkt sein Gesichtsausdruck entspannt? Ist die Pose vertretbar?

2021 kosteten die Ausbildung und das erste Mitgliedsjahr 800 Schweizer Franken, danach 200 Franken pro Jahr. Der ehrenamtlich geführte Verband nahm auch französischsprachige Fotografen außerhalb der Schweiz auf. Über die Ausbildung hinaus betont Mathilde die Kraft der Gemeinschaft: mehrere Treffen im Jahr, eine Gruppe zur gegenseitigen Unterstützung, Kunden, die man sich gegenseitig empfiehlt. Wer allein arbeitet, für den verändern Kolleginnen und Kollegen alles.

Zum Mitnehmen: Fototechnik allein reicht nicht, um ein fünf Tage altes Baby zu empfangen. Wenn du dich bei Hebammen oder Fachleuten für Perinatalität ausbilden lässt, am besten vor deinem ersten Shooting, hast du von Anfang an die richtigen Reflexe.

2. Woran erkennt man, dass sich ein Neugeborenes unwohl fühlt?

Das ist einer der Kernpunkte der Ausbildung: Ein Baby spricht nicht, aber es kommuniziert ständig. Mathilde nennt mehrere Anzeichen, auf die man während des gesamten Shootings achten sollte:

  • Die Farbe der Haut: Ein Ohr, das leicht gegen die Brust des Papas gedrückt wird, wird schnell rot oder weiß. Das tut nicht weh, ist aber ein Zeichen für unangenehmen Druck.
  • Die Atmung und die Haltung der Hände, die viel über seinen Zustand verraten.
  • Die Temperatur, die man ständig prüfen muss: Ein nacktes Baby kühlt sehr schnell aus.
  • Die Spannungen von der Geburt: Der Kiefer ist nach der Entbindung oft verspannt, manchmal gibt es sogar einen blauen Fleck. Mathilde vermeidet es daher, an dieser Stelle Druck auszuüben.

„Man muss die Berührung sehr, sehr fein dosieren.“

Mathilde Anceaume

Eine gute Berührung, erklärt sie, liegt zwischen dem leichten Streifen (das kitzelt und stört) und dem festen Griff (der ebenfalls unangenehm ist). Eloa erzählt eine vielsagende Anekdote: Eltern hatten ihr gesagt, dass ihr zehn Tage altes Baby es hasste, auf dem Rücken zu liegen. Sechs Monate später verstanden sie, warum: Es litt unter Reflux. Das Baby hatte es schon beim Shooting gezeigt, für alle, die genau hinsahen.

Zum Mitnehmen: Ein Baby, das eine Position ablehnt, hat immer einen Grund. Wenn du Haut, Atmung und Hände beobachtest, kannst du die Lagerung korrigieren, bevor aus Unbehagen Weinen wird.

3. Warum sind manche Newborn Posen gefährlich?

In Frankreich, erinnert Eloa, kann man sich in wenigen Minuten als Fotograf anmelden, ganz ohne Abschluss, und am nächsten Tag ein Shooting mit einem fünf Tage alten Baby anbieten. Mit der explodierenden Zahl von Newborn Fotografen verbreitete sich ein Trend, der vor allem aus den USA kam: spektakuläre Bilder mit Babys, die in kleinen Hängematten hängen, den Kopf auf die Hände gestützt oder in der Balance.

Bilder, die in Wahrheit Composings sind

Die Fotografen, die diese Bilder bekannt gemacht haben, setzen sie verantwortungsvoll um: Es sind Composings. Mathilde erklärt die Methode für Einsteiger. Die Hängematte liegt fast direkt auf einem Sitzsack, das Baby wird festgehalten, und man fotografiert es. Dann fotografiert man dieselbe Hängematte leer, in zwei Metern Höhe aufgehängt. Danach muss man nur noch beide Bilder zusammensetzen und den Sitzsack entfernen. Das Problem: Viele Fotografen haben die Pose „in echt“ nachgestellt, ohne Montage.

„Wenn du dein Baby in zwei Metern Höhe in die Hängematte legst, ohne dass es jemand festhält, dann wird es problematisch.“

Mathilde Anceaume

Ein Baby ist keine Puppe

Eloa erwähnt die Babys in Blumentöpfen, die Anne Geddes in den 80er- und 90er-Jahren berühmt gemacht hat und die die Idee populär machten, Neugeborene zu verkleiden und in unwahrscheinliche Positionen zu bringen. Beide Fotografinnen teilen dasselbe Unbehagen gegenüber extremem Posing: Ein gepucktes Baby aufrecht hinzustellen oder auf die Ellbogen zu stützen, heißt, es in eine Position zu bringen, die es allein nie einnehmen könnte. Mathilde hatte sich amerikanische und australische Schulungen angesehen, die genau vorgaben, wo jede Hand und jedes Bein hingehört; die Ausbildung der ASPPNN bestätigte ihr, warum diese Posen sie störten: Sie sind nicht natürlich.

Zum Mitnehmen: Eine Pose, die ein Neugeborenes nicht allein einnehmen könnte, ist nie harmlos. Wenn ein Bild sie verlangt, entsteht es als Composing, mit einem Elternteil oder einer Assistenz, die das Baby jederzeit festhält.

4. Wie lagert man ein Baby, ohne es zu zwingen?

Mathildes Fotos wirken stark inszeniert. In Wirklichkeit wiegt sie das Baby, legt es in ein Prop oder auf den Sitzsack und lässt es dann zappeln, bis es die Position gefunden hat, die ihm gefällt. Sie achtet nur darauf, dass seine Hände nicht das Gesicht verdecken, ohne sie wegzuschieben: Ein Neugeborenes braucht seine Hände in der Nähe des Gesichts.

Ausprobieren, dann zuhören

Manche Babys mögen es überhaupt nicht, auf dem Rücken zu liegen. Dann versucht sie es auf der Seite; wenn das auch nicht passt, auf dem Bauch. Sie behält die Position, in der sich das Baby wohlfühlt. Und Zwang, betont sie, muss nicht grob sein: Selbst ganz sanft gilt, wenn es nicht will, besteht man nicht darauf.

„Wenn es sich so hingelegt hat, dann fühlt es sich so wohl.“

Mathilde Anceaume

Die Reflexe des Neugeborenen nutzen

Statt einen Arm oder ein Bein zu bewegen, nutzt Mathilde die natürlichen Reflexe des Babys, das immer den Kontakt sucht:

  • Der Fuß: Eine Berührung auf dem Fußrücken oder an der Fußsohle genügt, damit das Baby ihn von selbst in die gewünschte Richtung bewegt.
  • Die Hände: eine leichte Berührung an der richtigen Stelle, und das Baby nimmt die Hände von allein vom Gesicht.
  • Der Kopf: Ein Streichen über die Wange auf der Seite, zu der es sich drehen soll, löst den Suchreflex aus; es öffnet den Mund und dreht den Kopf.
  • Die Zonen, die tabu sind: natürlich die Fontanelle, aber auch der Kiefer, der nach der Geburt oft verspannt ist.

Zum Mitnehmen: Der Fotograf schlägt vor, das Baby entscheidet. Mit den Reflexen erreichst du eine schöne Position, ohne zu manipulieren, und ein Baby, das seine Haltung selbst wählt, bleibt länger ruhig.

5. Wie organisiert man ein entspanntes Newborn Shooting?

Mathilde fotografiert Babys etwa im Alter von 5 Tagen bis 3 Wochen, oft solange der Papa noch Urlaub hat und mitkommen kann. Für sie hat der Zustand der Eltern oberste Priorität, denn das Baby spürt alles.

Keine feste Uhrzeit

Sie nennt ein Zeitfenster ab 9 Uhr, aber wenn die Familie um 10 Uhr kommt, ist das egal, solange sie nicht gestresst ist. Für viele Eltern ist es einer der ersten Ausflüge mit ihrem Baby: Sie wissen noch nicht, was sie alles mitnehmen müssen, und ein hektischer Aufbruch überträgt sich direkt auf das Neugeborene.

„Ich möchte, dass sie ruhig und entspannt ankommen, denn das Baby spürt, wenn Stress da ist.“

Mathilde Anceaume

Die Regeln schon beim ersten Kontakt ansprechen

Schon bei der ersten Anfrage erklärt Mathilde, dass das Shooting je nach Baby zwischen einer und drei Stunden dauern wird und dass es normal ist, wenn es einen großen Teil der Zeit an der Brust verbringt. Sie weist auch darauf hin, dass manche Wunschfotos nicht möglich sein werden, wenn das Baby nicht mitmacht. Wenn du diese Bedingungen schwarz auf weiß in deinen Verträgen festhältst, vermeidest du Missverständnisse, und mit einem Fragebogen vor dem Shooting kennst du die Gewohnheiten des Babys schon im Voraus (Stillen, Reflux, Schlaf).

Der typische Ablauf

  • Zuerst die Familienfotos: Das Baby bleibt in den Armen seiner Eltern und gewöhnt sich an den Ort, die Stimme der Fotografin und die Gerüche.
  • Dann die Props, im Voraus in Mathildes Stil vorbereitet. Die Eltern haben diesen Stil gewählt, als sie zu ihr kamen, aber sie verspricht nichts: Alles hängt vom Baby ab.

Eloa bestätigt das aus eigener Erfahrung: In Belgien bei einer amerikanischen Ausbilderin im reinen Posing geschult, brauchte sie viereinhalb Stunden pro Shooting, mit begeisterten Kunden, aber einer erschöpften Fotografin. Als sie selbst Mama wurde, erlaubte sie sich, ihrem Gefühl zu folgen, und ihre Shootings wurden kürzer und freier.

Zum Mitnehmen: Ein gelungenes Newborn Shooting bereitet man vor dem großen Tag vor. Klare Erwartungen zu Dauer, Stillpausen und möglichen Posen beruhigen die Eltern, und entspannte Eltern bedeuten ein entspanntes Baby.

6. Wie zeigst du den Eltern, dass du ausgebildet bist?

Viele Eltern stellen sich die Frage gar nicht: Sie sehen hübsche Babyfotos und buchen, weil sie ja während des Shootings dabei sind. Sie können einen Stil auswählen, aber nicht prüfen, ob der Fotograf weiß, wie man mit einem Neugeborenen umgeht.

Um sie auf das Thema aufmerksam zu machen, ergänzen die Mitglieder der ASPPNN jedes Neugeborenenfoto, das sie in den sozialen Netzwerken veröffentlichen, um einen kurzen Satz: Das Bild wurde von einem professionellen Fotografen aufgenommen, der im Rahmen des Verbands von Hebammen ausgebildet wurde. Die Mitgliedschaft verpflichtet außerdem zur Einhaltung einer Charta, die in der Ausbildung bestätigt wird. Eloa erinnert daran, dass in Frankreich die APSNN (ein französischer Verband von auf Neugeborene spezialisierten Fotografen) ihrerseits eine Charta und ein Label anbietet, das die Mitglieder auf ihrer Website zeigen können.

„Uns ist es total wichtig, dass potenzielle Kunden darüber informiert sind, dass wir das nicht einfach aufs Geratewohl machen.“

Mathilde Anceaume

Zum Mitnehmen: Deine Ausbildung ist ein Verkaufsargument. Erwähne sie auf deiner Website, in deinen Beiträgen und im Austausch mit werdenden Eltern: Oft ist genau das der Grund, warum sie sich für einen Fotografen und nicht für einen anderen entscheiden.

7. Wie findest du deinen Stil als Newborn Fotograf?

Mathildes Stil ist sofort wiederzuerkennen: ausschließlich natürliche Farbtöne (Beige, Braun, Grün, ein wenig Rost), Holz, Wolle, Pflanzenfasern und echte Pflanzen rund um die Props. Kein Pink. Eloa, die während der Aufnahme durch ihre Website scrollte, glaubte sogar, Erde zu sehen: Es war Wolle.

Dieser ausgeprägte Stil sortiert ganz von allein: Familien, denen diese Bildwelt nicht gefällt, melden sich gar nicht erst. Ihre Newborn-Kunden kommen aus zwei Gründen: Die einen haben sich in ihre Bilder verliebt (und hätten diese Fotos mit niemand anderem gemacht), die anderen haben sie über den Verband gefunden, weil sie einen ausgebildeten Fotografen suchten. Damit dieses Sortieren funktioniert, muss deine Bildwelt auf den ersten Blick erkennbar sein; deshalb ist es so wichtig, eine Fotografen-Website zu erstellen, die deine Bilder wirklich zur Geltung bringt.

Ein Stil, der sich weiterentwickeln darf

Seinen Stil zu finden, heißt nicht, ihn einzufrieren. Mathildes Fotos waren vor drei Jahren dunkler, eher „moody“; sie sind braun und warm geblieben, aber immer heller geworden. Den Stil eines anderen Fotografen zu kopieren, trägt dagegen nicht auf Dauer.

„Man muss sich wirklich die Zeit nehmen, seinen Stil zu finden, und dann dabei bleiben.“

Mathilde Anceaume

Eloa beobachtet bei sich dasselbe: Vor einigen Jahren hätte sie ein Baby, das eine Grimasse zieht, aus ihrer Auswahl gelöscht. Heute wählen ihre Kunden oft genau diese Bilder („Das macht er ständig!“). Wenn du diese Fotos in der Online-Galerie für die Eltern lässt und sie auf deiner Website zeigst, ziehst du genau die Familien an, die Natürlichkeit suchen.

Zum Mitnehmen: Bring deine Persönlichkeit in deine Bilder. Ein ehrlicher Stil zieht die Kunden an, die zu dir passen, und sorgt auch dafür, dass du deinen Beruf weiterhin liebst.

8. Stillen, Geburt: das Muttersein fotografieren

Mathilde sieht sich als „engagierte Fotografin“. Sie hat ihre Tochter bis zum Alter von 3 Jahren und 3 Monaten gestillt, sich in Stillen und Tragen im Tragetuch weitergebildet, und diese Themen haben ganz selbstverständlich ihren Platz in ihrem Angebot gefunden: Ihre Mama-Pakete ergänzen das Familienshooting um Still- oder Tragefotos. Dabei urteilt sie nicht: Stillen oder Fläschchen muss eine freie Entscheidung bleiben.

Die Geburtsreportage

Zum Zeitpunkt der Folge hat sie erst eine einzige Geburt fotografiert, eine „sehr, sehr intensive“ Erfahrung, die sie unbedingt wiederholen möchte. Die Eltern schauen sich ihre Fotos immer wieder an: all die Details und Emotionen, die sie im Moment selbst verpasst haben. Als Alleinerziehende muss sie ihre Tochter um drei Uhr morgens einer Babysitterin anvertrauen können, was diese Reportagen zusätzlich einschränkt. Hausgeburten oder Geburten im Geburtshaus, die natürlicher verlaufen, sind auch leichter zu fotografieren. Mehr über diesen Beruf erfährst du im Erfahrungsbericht von Nathanaël Charpentier, Geburtsfotograf.

Die beiden Fotografinnen vergleichen auch die Situation in beiden Ländern: In der Schweiz wird die Hausgeburt von den Krankenkassen übernommen und Hebammen sind ganz normal versichert; in Frankreich hatten Hebammen, die Hausgeburten begleiten, 2021 große Mühe, eine Berufshaftpflichtversicherung zu finden. Eloa, die selbst im Geburtshaus entbunden hat, wünscht sich nur eines: dass Eltern die Wahl haben.

Zum Mitnehmen: Deine Überzeugungen können zu einer Spezialisierung werden. Stillen, Tragen, Geburt: Was für dich Sinn ergibt, macht dein Angebot stimmig und zieht Familien an, die diese Werte teilen. Diese Familien wirst du oft wiedersehen: Mathilde liebt es, Familien wiederzutreffen, die sie schon fotografiert hat, und ein Treueprogramm hilft dir, sie zurückzuholen.

9. Sollte man jungen Eltern Ratschläge geben?

Mathilde hat lange gezögert. Sie hatte viele Informationen über Stillen, Tragen und die Sicherheit von Autokindersitzen gesammelt, fürchtete aber, die Eltern könnten sie als Bevormundung empfinden. Die Ausbilderin für Perinatalität antwortete ohne Zögern: Man sollte sie teilen. Der Fotograf ist oft der erste oder zweite Ausflug der Eltern, und das medizinische Personal ist beim Thema Stillen sehr unterschiedlich geschult.

Anbieten, nie aufdrängen

Während ihrer Shootings „plaudert“ Mathilde „unglaublich viel“: Sie fragt die Eltern, ob sie auf Schwierigkeiten stoßen, und dann, ob sie Informationen möchten. Die Antwort ist fast immer Ja. Beim Abschied bietet sie einen Schnellkurs zum richtigen Anschnallen des Babys im Autositz an, denn bei der Entlassung aus der Geburtsklinik prüft das niemand. Sie empfiehlt insbesondere die Website von Sécurange, einem französischen Verein, der Autokindersitze testet: Manche zugelassenen und im Handel gut bewerteten Modelle erweisen sich bei einem Aufprall als wenig sicher.

„Wenn man etwas weitergeben will, muss man sich sicher sein, was man sagt.“

Mathilde Anceaume

Das Schlusswort, das Eloa teilt: Man kommt, um ein Baby zu fotografieren, aber dahinter steht ein kleiner, ganz neuer Mensch und eine ganze Familie, deren Leben durch seine Ankunft auf den Kopf gestellt wurde.

Zum Mitnehmen: Verlässliche Ratschläge, mit Taktgefühl angeboten, stärken das Vertrauen der Eltern und machen das Shooting zu viel mehr als einem Fototermin. Prüfe deine Quellen immer, bevor du sie weitergibst.

Folge aufgenommen Anfang 2021, während der Coronakrise (in der Schweiz waren Zusammenkünfte damals auf fünf Personen beschränkt, Kinder eingeschlossen, und die Ausbildungen des Verbands waren ausgesetzt). Die erwähnten Preise, Ausbildungstermine und Regeln beziehen sich auf diese Zeit.

Fehler, die du beim Newborn Shooting vermeiden solltest

Aus der Erfahrung von Mathilde Anceaume und Eloa Landais:

✗ Neugeborene ohne spezielle Ausbildung empfangen: Fotografieren zu können heißt nicht, ein wenige Tage altes Baby richtig berühren und lagern zu können.

✗ Eine spektakuläre Pose ohne Composing nachstellen: hängende Hängematte, Kopf auf den Händen, aufrecht stehendes Baby; diese Bilder sind Composings.

✗ Darauf bestehen, wenn das Baby eine Position ablehnt, selbst ganz sanft: Es gibt immer einen Grund, manchmal Reflux oder einen Schiefhals.

✗ Eine feste Uhrzeit vorschreiben, wenn Eltern zum ersten Mal mit ihrem Baby das Haus verlassen.

✗ Ein bestimmtes Foto versprechen, bevor du das Baby kennengelernt hast.

✗ Temperatur und Hautsignale aus den Augen verlieren, während eines langen Shootings.

✗ Den Stil eines anderen Fotografen kopieren, statt einen eigenen zu entwickeln.

FAQ: Newborn Shooting und die Sicherheit des Babys

Wann ist der beste Zeitpunkt für ein Newborn Shooting?

Mathilde Anceaume fotografiert Babys etwa im Alter von 5 Tagen bis 3 Wochen. Oft ist das die Zeit, in der der zweite Elternteil noch Urlaub hat und zum Shooting mitkommen kann. Ein späteres Shooting ist trotzdem möglich.

Wie lange dauert ein Newborn Shooting?

Rechne mit einer bis drei Stunden, je nach Baby. Es ist normal, dass es einen Teil des Shootings mit Trinken oder Kuscheln auf dem Arm verbringt. Shootings von vier Stunden oder mehr, wie sie beim extremen Posing häufig sind, erschöpfen Baby, Eltern und Fotograf.

Sind Newborn Posen gefährlich?

Manche können es sein, wenn sie ohne Vorsicht umgesetzt werden. Bilder von Babys, die in einer Hängematte hängen oder den Kopf auf die Hände stützen, sind Composings: Das Baby wird festgehalten oder nah am Boden gelagert, dann werden die Fotos zusammengesetzt. Eine Pose, die das Baby nicht allein einnehmen könnte, darf niemals erzwungen werden.

Wie erkenne ich, ob ein Newborn Fotograf gut ausgebildet ist?

Frag nach, wo er gelernt hat, mit Neugeborenen umzugehen. Manche Verbände, wie die ASPPNN in der Schweiz oder die APSNN in Frankreich, bieten eine Charta, ein Label oder eine Ausbildung mit Hebammen an. Ein ausgebildeter Fotograf erklärt gern, wie er das Baby lagert und wie das Shooting abläuft.

Woran merkt man, dass sich ein Baby beim Fotoshooting nicht wohlfühlt?

Achte auf die Farbe seiner Haut (rote oder weiße Stellen weisen auf Druck hin), seine Atmung, die Haltung seiner Hände und seine Temperatur. Ein Baby, das in einer bestimmten Position unruhig wird oder weint, drückt Unbehagen aus: Dann wechselt man die Position, statt darauf zu bestehen.

Wie lagert man ein Neugeborenes, ohne es zu verbiegen?

Mit seinen Reflexen. Eine leichte Berührung auf dem Fußrücken oder an der Fußsohle bringt das Baby dazu, den Fuß zu bewegen; eine Berührung an der Wange löst den Suchreflex aus, und es dreht den Kopf. Fontanelle und Kiefer, der nach der Geburt oft verspannt ist, solltest du meiden.

Wie bereite ich mich als Fotograf auf ein Newborn Shooting vor?

Erkläre den Eltern schon bei der Buchung die geplante Dauer, den Platz für Stillpausen und dass manche Posen vom Baby abhängen. Heize den Raum, wärme deine Hände, bereite deine Props im Voraus vor und beginne mit den Familienfotos, das Baby auf dem Arm, damit es sich an den Ort gewöhnt.

Entdecke die Arbeit von Mathilde Anceaume

Neugeborene, Schwangerschaft, Geburt und Familien, in einer Bildwelt aus natürlichen Materialien und Farben, aus ihrem Studio in La Chaux-de-Fonds: Die Arbeit von Mathilde findest du auf ihrer Website, mathildeanceaume.com.

Dieser Artikel basiert auf Folge #027 des Fotostudio-Podcasts (auf Französisch), moderiert von Eloa Landais und aufgenommen Anfang 2021. Die Zitate von Mathilde Anceaume wurden aus dem Französischen übersetzt. Ihre Tipps sind nach wie vor aktuell.

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