Früher Erzieher, heute Fotograf: Nathanaël Charpentier fotografiert Geburten auf einer Geburtsstation im französischen Loiret. Er erzählt, wie er das medizinische Team von der Geburtsreportage überzeugt hat, wie er die Eltern vorbereitet und warum die Beherrschung des Lichts seine Arbeitsweise verändert hat.

Kurz zusammengefasst:

Für Nathanaël Charpentier ruht die Arbeit als Geburtsfotograf auf vier Säulen:

• Das Vertrauen der Geburtsstation gewinnen: Das hat zweieinhalb Jahre gedauert, in denen er erst Reportagen von Kollegen und dann seine eigene dem ganzen Team gezeigt hat

• Die Eltern vor dem großen Tag treffen, um festzulegen, was sie wollen und was nicht, und um im Kreißsaal in Vergessenheit geraten zu können

• Jederzeit bereit sein: Rufbereitschaft in den Wochen vor dem Termin, Tasche immer gepackt, zwei Kameras wie bei einer Hochzeit

• Das Licht beherrschen, vor allem die sehr starke Leuchte im Kreißsaal, und lange üben, bevor es darauf ankommt

Wenn von einer Geburtsreportage die Rede ist, staunen viele: Was soll im Kreißsaal schön zu fotografieren sein? Für Nathanaël Charpentier liegt die Antwort in den Blicken, den Händen, die sich festhalten, dem Moment, in dem das Baby auf den Bauch der Mutter gelegt wird: lauter Augenblicke, die Eltern viel zu intensiv erleben, um sich später wirklich daran zu erinnern.

Bei einer Abstimmung der Fotostudio-Community landete er auf Platz eins. Im Gespräch mit Anthony Heukmes erklärt er, wie er sich seinen Platz auf der Geburtsstation erarbeitet hat, wie eine Geburtsreportage konkret abläuft, wie er mit sehr schwierigem Licht umgeht und warum er sich nicht auf einen einzigen Stil festlegen will.

Wer ist Nathanaël Charpentier?

Nathanaël Charpentier ist Fotograf in Gien im Département Loiret, rund 150 Kilometer südlich von Paris. Er fotografiert vor allem Menschen: Geburten, Hochzeitsreportagen, Porträts, aber auch Unternehmen, Marken und Musiker.

  • Ein ungewöhnlicher Werdegang: Bevor er Fotograf wurde, arbeitete er als Erzieher. Ein befreundeter Fotograf brachte ihm bei, Kinderfotos in einem Geschäft zu machen. Dann packte ihn die Leidenschaft und er bildete sich selbst weiter, mit Büchern, Fachzeitschriften und Workshops. Einige Jahre später machte er sich selbstständig.
  • Fotograf auf der Geburtsstation: Er arbeitet auf Vertragsbasis mit der Geburtsstation in Gien zusammen, einer familiären Klinik mit rund 800 Geburten pro Jahr, wo er vor allem Neugeborenenfotos macht.
  • Ein Pionier der Geburtsreportage: Er war einer der ersten in Frankreich, die anboten, die Geburt selbst im Kreißsaal zu fotografieren.
  • Ein Lichtliebhaber: Er hat sich in Blitz- und Dauerlicht ausbilden lassen und setzt es bei Hochzeiten genauso ein wie bei Porträts.

Seit der Aufnahme hat er mit seinem Geschäftspartner Samuel das Studio NathSam in Gien gegründet, wurde mit dem Titel Portraitiste de France 2021 ausgezeichnet und leitet das Collectif Carmin, das sich als erstes französisches Kollektiv von Geburtsfotografen versteht.

1. Warum eine Geburt fotografieren?

Der Auslöser waren nicht seine eigenen Kinder: Alle drei kamen per Kaiserschnitt zur Welt. Es war die Reportage eines befreundeten Fotografen, die er wunderschön fand. Babys zwei oder drei Tage nach der Geburt zu fotografieren schafft schöne Erinnerungen, doch Nathanaël wollte zu dem zurück, was für ihn den Kern der Fotografie ausmacht: ganz kurze Momente festhalten.

„Eine Geburt ist eine solche Entladung von Gefühlen, dass einem ein paar Bilder im Kopf bleiben, aber es sind sehr kurze Augenblicke.“

Nathanaël Charpentier

Was der Fotograf sieht und die Eltern nicht

Ein Blick von außen schafft Abstand zum Moment und lässt ihn noch einmal erleben. Ein Vater, der selbst fotografiert, kann nicht mit auf den Bildern sein. Gerade das berührt Nathanaël aber am meisten: die Interaktionen zwischen den beiden Eltern. Die Blicke, die sie wechseln, eine Hand auf der Schulter, zwei Hände, die sich festhalten, die Gesichter in den Momenten des Schmerzes.

Das Wichtigste: Eine Geburtsreportage besteht nicht nur aus dem Moment, in dem das Baby kommt. Ihr Wert liegt in den Gefühlen des Paares, die niemand sonst festhalten kann, während die beiden sie erleben.

2. Wie bereitet man eine Geburtsreportage mit den Eltern vor?

Am großen Tag einfach im Kreißsaal aufzutauchen, kommt für Nathanaël nicht infrage. Er trifft die Eltern immer vorher, erklärt ihnen seine Herangehensweise, zeigt ihnen seine Bilder und stimmt mit ihnen ab, was fotografiert wird. Manche Paare sind zurückhaltender und möchten keine Bilder von dem Moment, in dem das Baby herauskommt: Für ihn ist das überhaupt kein Problem.

„Für mich bestehen 95 % der Reportage aus all diesen Interaktionen und aus den Reaktionen der Eltern, wenn das Baby auf die Mama gelegt wird.“

Nathanaël Charpentier

Diese Gespräche kannst du mit einem Fragebogen vor dem Shooting ergänzen. Die Entscheidungen der Eltern, auch ihre Zustimmung, dass du bestimmte Bilder zeigen darfst, hältst du am besten schwarz auf weiß in deinem Fotografenvertrag fest. Nathanaël hat seine erste Reportage dem Klinikpersonal übrigens erst mit Erlaubnis der Eltern gezeigt.

Eine Beziehung aufbauen, um zu wissen, wo man stehen kann

Das Treffen dient auch dazu, die Eltern kennenzulernen. Er bietet schnell das Du an und achtet darauf, ob sie ihre Gefühle eher zurückhalten oder offen zeigen. Daran erkennt er, ob er nah bei ihnen arbeiten kann oder eine längere Brennweite braucht, um außerhalb ihres intimen Raums zu bleiben.

„Nach zwei, drei Minuten vergessen sie mich. Ich bin da, ohne da zu sein.“

Nathanaël Charpentier

Während des Fotografierens hält er eine gewisse Distanz, um nicht überwältigt zu werden: Am stärksten berührt ist er oft erst bei der Bildbearbeitung. Manche Geburten verlaufen schwierig, und Hebammen und Gynäkologen wissen, dass ein einziger Blick genügt, damit er den Raum verlässt.

Das Wichtigste: Vertrauen entsteht vor der Geburt. Je klarer die Regeln im Voraus sind, desto eher vergessen die Eltern den Fotografen am großen Tag, und desto ehrlicher werden die Bilder.

3. Wie überzeugt man eine Geburtsklinik von einem Fotografen?

Obwohl er für seine Neugeborenenfotos auf der Geburtsstation in Gien schon gut integriert war, brauchte Nathanaël rund zweieinhalb Jahre, bis die Geburtsreportage akzeptiert wurde. Das Projekt musste reifen, in seinem Kopf genauso wie in den Köpfen des Personals.

Zeigen statt erklären

Seine Methode lässt sich in einem Wort zusammenfassen: zeigen. Da er noch keine eigene Reportage hatte, nutzte er zunächst die von Kolleginnen und Kollegen, um zu beweisen, dass solche Bilder schön sein können. Nach seiner ersten Reportage zeigte er eine Auswahl so vielen Hebammen, Gynäkologen und Anästhesisten wie möglich. Ein unverzichtbarer Schritt: Am Tag der Geburt weiß man nie, welches Team Dienst hat.

„Man sollte nicht zögern, die Fotos von Kollegen zu nutzen, um zu zeigen, was anderswo gemacht wird und wie schön das sein kann.“

Nathanaël Charpentier

Ein gutes Verhältnis zum Team verändert alles. So darf er zum Beispiel mit dem Einverständnis der Hebamme die Leuchte im Kreißsaal selbst einstellen, wie du weiter unten sehen wirst.

Das Wichtigste: Die Hürde ist nicht technisch, sondern kulturell. Um die Türen einer Geburtsklinik zu öffnen, brauchst du Zeit, konkrete Beispiele und die Zustimmung des ganzen Teams, nicht nur der Klinikleitung.

4. Wie verpasst man keine Geburt?

Seine ersten geplanten Reportagen hat er verpasst: Entweder war das Baby schon da, als er ankam, oder der Anruf kam mitten in der Nacht und er hat ihn nicht gehört. Daraus hat er einfache Abläufe entwickelt, die einer Rufbereitschaft ähneln:

  • Zwei bis drei Wochen vor dem Termin weiß er, dass sein Telefon nachts klingeln kann.
  • Er schaltet die mobilen Daten aus, damit ihn keine Benachrichtigungen wecken, und bittet die Eltern, SMS zu schicken oder so lange anzurufen, bis er abnimmt.
  • Seine Ausrüstung ist immer startklar: Speicherkarten bleiben nicht voll und Akkus nicht leer. Er muss nur noch Schlüssel und Tasche nehmen und losfahren.
  • Er arbeitet wie bei einer Hochzeit: zwei Kameras, eine Festbrennweite, weitere Objektive in der Tasche und Ersatzakkus, auch wenn eine Geburt selten so lange dauert wie eine Hochzeit.

Wenn der Termin näher rückt, kann das ein wenig auf den Schlaf drücken. Aber das ist der Preis für eine Reportage, bei der es keine zweite Chance gibt.

5. Wie geht man mit dem Licht im Kreißsaal um?

Die größte technische Schwierigkeit ist die große Untersuchungsleuchte (die OP-Leuchte), die den Bereich ausleuchtet, in dem das Baby zur Welt kommt. Das medizinische Team braucht sie, um gut arbeiten zu können, aber sie ist so stark, dass der Helligkeitsunterschied enorm wird:

BelichtungswahlErgebnis
Auf das Baby unter der Leuchte belichtenDas Gesicht der Mama ist viel zu dunkel
Auf das Gesicht der Mama belichtenDas Baby ist völlig überbelichtet
Die Leuchte mit Einverständnis der Hebamme herunterregelnGleichmäßigeres Licht, bei dem beides erhalten bleibt

Er konzentriert sich auf den Gesichtsausdruck der Mama: ein paar schnelle Bilder, während das Baby kommt, dann weitere Einstellungen. Er arbeitet gern mit dem Weitwinkel, oft mit einem 14-24 mm. Ein- oder zweimal hat er zusätzliches Dauerlicht mitgebracht (niemals Blitz), aber die Leuchte bleibt zu stark, und einen Kreißsaal kann man nicht mit Ausrüstung vollstellen.

„Wenn sie die Leuchte zu hell einstellen, kann ich nichts machen: Alles liegt im Halbdunkel und ich sehe nur das Baby.“

Nathanaël Charpentier

Das Wichtigste: Im Kreißsaal ist die beste Lichtlösung kein Zubehör, sondern die Beziehung zur Hebamme. Eine schwächer eingestellte und gut ausgerichtete Leuchte reicht, um die Gesichter zu retten.

6. Wie lernt man, Licht besser zu beherrschen?

Licht ist das, womit man in einer Szene das Wesentliche hervorhebt. Um es zu beherrschen, kombiniert Nathanaël Weiterbildung und Praxis, und zwar in einer überraschenden Reihenfolge: erst ausprobieren, dann lernen.

Erst testen, dann Kurse besuchen

Als er seine ersten Präsenz-Workshops besuchte, hatte er mit seinen Blitzen schon viel experimentiert. Die Erklärungen des Trainers ergaben sofort Sinn: „Ach, deshalb hatte ich solche Probleme.“ Einen Trick, den du über deine eigenen Fehler verstanden hast, behältst du viel besser als ein Video, das du ohne Praxis anschaust.

An einem Übungskopf trainieren

Sein konkretester Tipp: Kauf dir einen Übungskopf (einen Puppenkopf) und probiere aus. Softbox, Beauty Dish, Licht von vorn, von der Seite, Gegenlicht, um die Haare vom Hintergrund abzuheben: Du siehst direkt, wie jeder Lichtformer und jede Position auf ein Gesicht wirkt, und findest heraus, was dir am besten gefällt.

„Nicht am großen Tag sollte man üben und sicher werden.“

Nathanaël Charpentier

Wenn diese Reflexe einmal sitzen, dauert es bei einer Hochzeit nur ein paar Minuten, einen Blitz aufzubauen. Manchmal muss man sich selbst „einen kleinen Tritt in den Hintern“ geben, um die Ausrüstung aus dem Auto zu holen, aber genau das macht den Unterschied an einem schönen Ort oder bei schwierigem Licht.

Das Wichtigste: Bei einer Reportage hast du keine Zeit, über deine Einstellungen nachzudenken. Nur stundenlanges Üben im Voraus erlaubt dir, die richtige Lösung in wenigen Sekunden zu finden.

7. Sollte man bei jeder Reportage denselben Stil behalten?

Nathanaël warnt vor einer klassischen Falle: zu sagen „Ich mag keinen Blitz“, nur weil man nicht damit umgehen kann. Er selbst bewunderte Blitzaufnahmen, ohne sie nachmachen zu können. Statt aufzugeben, ist er mehrere Jahre drangeblieben.

„Manchmal sagst du: Das mag ich nicht. Warum? Weil du es eigentlich nicht beherrschst.“

Nathanaël Charpentier

Anders als Kollegen, die nie von ihrem 35 mm und dem natürlichen Licht abweichen, ist er überzeugt, dass ein breites technisches Repertoire es erlaubt, die Herangehensweise anzupassen, ohne die eigene Handschrift zu verlieren. Er mag Hell-Dunkel und kontrastreiche Bilder, aber für ein Brautpaar, das sich einen weichen, natürlichen Look wünscht, packt er kein zusätzliches Licht aus. Der Fotograf Thibault Chappe vertritt dieselbe Idee: die Bearbeitung an die Atmosphäre jeder Hochzeit anpassen, statt überall dasselbe Rezept anzuwenden.

„Wenn ich das alles nicht hätte, hätte ich Angst, dass meine Arbeit stereotyp wird.“

Nathanaël Charpentier

Das Wichtigste: Stil ist mehr als ein bestimmter Look. Es ist ein Blick, den die Technik in jedem Kontext zum Ausdruck bringen kann. Und über das Bild hinaus zählt vor allem die Emotion, die es vermittelt.

8. Spezialisieren oder breiter aufstellen?

Sein Jahr teilt sich in zwei Rhythmen. Die Geburtsfotos auf der Geburtsstation nehmen einen großen Teil des Jahres ein, und von Mai bis September haben die Hochzeiten Vorrang. Um beides zu stemmen, hat er seinen Geschäftspartner Samuel so eingearbeitet, dass er ihn auf der Geburtsstation vertreten kann.

Er gibt zu, dass ihn die Neugeborenenfotos zwei oder drei Tage nach der Geburt weniger begeistern: Oft entstehen dabei immer wieder die gleichen Bilder. Was seinen Beruf lebendig hält, ist die Abwechslung: Geburten, Hochzeiten, Porträts, Unternehmen, Marken, Musiker.

„Ich spezialisiere mich wirklich auf Menschen, auf das Menschliche.“

Nathanaël Charpentier

Seine Spezialität ist also keine bestimmte Art von Shooting, sondern ein Thema: der Mensch. Architektur oder Tiere reizen ihn kaum. So bleibt seine Arbeit frisch, während immer dasselbe zu machen irgendwann ermüdet.

9. Warum gibt es in Frankreich so wenige Geburtsfotografen?

Zum Zeitpunkt der Aufnahme schätzte Nathanaël, dass in Frankreich etwa zehn Fotografen Geburten fotografierten. Die Bremse sind nicht die Fotografen: Viele melden sich bei ihm und fragen, wie er es geschafft hat, weil sie selbst eine Absage bekommen.

„Das Problem sind nicht die Fotografen, viele würden davon träumen. Es sind eher das Personal und die Krankenhäuser, die blockieren.“

Nathanaël Charpentier

In französischen Kreißsälen gilt in der Regel nur eine Begleitperson. Eine Kollegin konnte eine Reportage nur deshalb machen, weil die Mama ohne Begleitung kam. Und wenn das Klinikpersonal solche Bilder noch nie gesehen hat, wird die Anfrage der Eltern fast immer abgelehnt. Mütter, die zu weit entfernt wohnen, lehnt er übrigens ab: Eine Reportage ist nur in einer Klinik möglich, die bereits überzeugt ist.

Damit sich die Praxis verbreitet, müssten Paare häufiger mit ihren Hebammen darüber sprechen, und Fotografen müssten die Geburtskliniken Schritt für Schritt dafür gewinnen. Nathanaël ist bereit, seine Bilder mit Kollegen zu teilen, die damit überzeugen wollen. Anthony schlägt ihm vor, Workshops zu geben, vor allem für Schwangerschafts- und Neugeborenenfotografinnen, die oft selbst Mütter sind: eine Idee, die er gern aufgreift, sofern Nachfrage und Offenheit der Krankenhäuser mitziehen.

Das Wichtigste: Wenn du Geburtsreportagen anbieten willst, fang bei der Geburtsklinik an, nicht bei den Kunden. Ohne die Zustimmung des medizinischen Teams führt selbst die beste Anfrage von Eltern zu nichts.

Fehler, die du als Geburtsfotograf vermeiden solltest

Aus der Erfahrung von Nathanaël Charpentier:

✗ Am großen Tag kommen, ohne die Eltern getroffen und mit ihnen festgelegt zu haben, was fotografiert wird.

✗ Kunden akquirieren, bevor die Geburtsklinik zugestimmt hat: Ohne das medizinische Team ist die Reportage unmöglich.

✗ Das Projekt nur der Klinikleitung vorstellen, obwohl bei jeder Geburt ein anderes Team Dienst hat.

✗ Die Ausrüstung in den Wochen vor dem Termin nicht startklar halten.

✗ Sich nur auf den Moment konzentrieren, in dem das Baby kommt, und die Interaktionen des Paares verpassen.

✗ Die eigene Lichtausrüstung erst am Tag einer Reportage kennenlernen, statt vorher zu üben.

✗ Eine Technik ablehnen, die man nicht beherrscht, mit der Ausrede, sie sei „nicht mein Stil“.

FAQ: Geburtsfotograf und Geburtsreportage

Darf ein Fotograf mit in den Kreißsaal?

Das ist möglich, aber nur, wenn die Klinik zustimmt. In Frankreich ist meist nur eine Begleitperson im Kreißsaal erlaubt, und die meisten Teams lehnen einen Fotografen ab, den sie nicht kennen. Wende dich deshalb an einen Fotografen, der bereits mit deiner Klinik zusammenarbeitet, oder sprich sehr früh mit den Hebammen darüber.

Wie läuft ein Geburtsshooting ab?

Der Fotograf trifft die Eltern vor der Geburt, um festzulegen, was sie sich wünschen und was nicht. In den Wochen vor dem Termin ist er Tag und Nacht erreichbar. Am großen Tag fotografiert er vor allem die Interaktionen zwischen den Eltern und die Ankunft des Babys und bleibt dabei so unauffällig wie möglich.

Können Eltern bestimmen, was bei der Geburt fotografiert wird?

Ja. Zurückhaltende Eltern können zum Beispiel Bilder vom Moment ablehnen, in dem das Baby herauskommt. Für Nathanaël Charpentier ist das kein Problem: Das Wesentliche der Reportage sind die Blicke, die Gesten und die Reaktionen des Paares.

Wie wird man Geburtsfotograf?

Zuerst musst du deine Ausrüstung und die Reportagefotografie perfekt beherrschen, dann eine Geburtsklinik überzeugen. Nathanaël Charpentier brauchte dafür zweieinhalb Jahre, in denen er Hebammen, Gynäkologen und Anästhesisten erst Reportagen anderer Fotografen und dann seine eigene zeigte.

Wie fotografiert man unter der OP-Leuchte im Kreißsaal?

Die Untersuchungsleuchte ist so stark, dass man das Baby und das Gesicht der Mama nicht gleichzeitig richtig belichten kann. Am besten bittest du die Hebamme, die Leuchte herunterzuregeln und gut auszurichten, und konzentrierst dich dann auf Gesichtsausdrücke und weitere Einstellungen.

Wie lernt man, Licht in der Fotografie zu beherrschen?

Mit einer Mischung aus Praxis und Weiterbildung. Experimentiere zuerst mit deinen Blitzen oder einem Übungskopf (Softbox, Beauty Dish, verschiedene Positionen) und besuche dann Workshops: Die Erklärungen ergeben so viel mehr Sinn. Ziel ist, bei einer Reportage deine Einstellungen in wenigen Sekunden zu finden.

Wie viele Geburtsfotografen gibt es in Frankreich?

Sehr wenige. Ende 2020 schätzte Nathanaël Charpentier ihre Zahl auf etwa zehn. Es fehlt nicht am Interesse der Fotografen, sondern an der Offenheit der Geburtskliniken. Inzwischen haben sich Fotografen im Collectif Carmin zusammengeschlossen, um diese Praxis bekannter zu machen.

Die Arbeit von Nathanaël Charpentier entdecken

Seine Porträts und Hochzeitsreportagen findest du auf seiner Website (auf Französisch): nathanaelcharpentier.com, die Shootings seines Studios in Gien auf studio-nathsam.com. Du willst deine Reportagen ebenfalls von ihrer besten Seite zeigen? Eine eigene Fotografen-Website und private Galerien, über die du den Eltern ihre Fotos lieferst, machen den Unterschied.

Dieser Artikel basiert auf Folge #013 des Fotostudio-Podcasts (auf Französisch), aufgenommen Ende 2020. Die Zitate von Nathanaël Charpentier wurden aus dem Französischen übersetzt. Die Tipps sind nach wie vor aktuell; die Situation der Geburtskliniken und die erwähnten Projekte beziehen sich auf diese Zeit.

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