Samuel Malarik begleitet Fotografen seit 2005. Für ihn heißt als Fotograf profitabel zu sein nicht einfach, die Preise zu erhöhen: Wichtiger ist es, die eigene Marge im Blick zu behalten, das Angebot zu erweitern und delegieren zu lernen, ohne dabei die eigene Signature-Arbeit aufzugeben.
Kurz gesagt:
Für Samuel Malarik denkt ein profitabler Fotograf wie ein Unternehmer:
• Vom Markt ausgehen, nicht vom eigenen Können: ein Angebot entwickeln, das eine echte Nachfrage zum richtigen Preis bedient (der „Product Market Fit“)
• Auf die Marge statt auf den Umsatz schauen, und vor allem auf die Marge pro Arbeitsstunde
• Günstige Angebote ergänzen, neben dem High-End-Bereich: Passfotos, Mini-Shootings, kleine gerahmte Produkte
• Low Cost heißt nicht Discount: Man lässt alles Überflüssige weg, um sich aufs Wesentliche zu konzentrieren, nicht um zu verramschen
• Kulissen und Räume besser nutzen, bis hin zum Selbstbedienungsstudio
• Delegieren, um skalierbar zu werden: Der Fotograf wird zum Art Director und Dirigenten
„Erhöh deine Preise, mach weniger Shootings und verkauf jedem Kunden mehr.“ Diesen Rat haben viele Fotografen schon gehört. Samuel Malarik widerspricht ihm nicht, erinnert aber daran, dass es noch andere Wege gibt, um als Fotograf profitabel zu arbeiten: einfache, zugängliche Angebote, die die High-End-Arbeit ergänzen, ein ständiger Blick auf die Marge und eine Organisation, die nicht allein auf den Schultern des Fotografen lastet.
Als Enkel und Sohn von Fotografen arbeitete er zunächst in der IT, bevor er 2005 PlancheContact gründete, und hat miterlebt, wie der Beruf vom analogen Abzug ins Digitale kippte. Im Gespräch mit Anthony Heukmes, dem Gründer von Fotostudio, teilt er die Modelle, die ihn inspiriert haben, von amerikanischen Studios bis zu den Restaurants einer Drei-Sterne-Köchin, und die Fragen, die du dir stellen solltest, bevor du dein eigenes wählst.
Wer ist Samuel Malarik?
Samuel Malarik ist Trainer und Berater für Berufsfotografen und Gründer von PlancheContact. Er ist selbst ausgebildeter Fotograf und hätte eigentlich die vierte Generation einer Fotografenfamilie werden sollen. Sein Werdegang:
- Eine Fotografenfamilie: Erst sein Urgroßvater, dann sein Großvater, dann seine Eltern führten das Familienstudio, das 2003 schloss, kurz bevor sich die Digitalfotografie durchsetzte.
- Zwei Fotoschulen und vier Jahre Ausbildung, in denen er Nathalie kennenlernte, seine Partnerin.
- Sieben Jahre in der IT ab 1998: zuerst Server für Minitel (den französischen Vorläufer des Internets), dann Websites.
- 2005 Gründung von PlancheContact, um Fotografen beim Umstieg von analog auf digital zu helfen und danach beim Umdenken in ihrer Verkaufsweise.
- 2006 PhotoCoach in Frankreich: Gemeinsam mit dem kanadischen Trainer André Amiau aus Québec organisierte er in Paris die erste PhotoCoach-Schulung, die sich der unternehmerischen Seite des Berufs widmete. Inzwischen hat Marie die Schulung übernommen.
„Fotograf zu sein heißt nicht nur, sich als Künstler zu verwirklichen, sondern auch, ein ordentliches Einkommen zu erzielen, oder sogar mehr.“
Samuel Malarik
Laut seiner Website planchecontact.fr hat Samuel inzwischen mehr als 1.300 Fotografen begleitet. PlancheContact ist zugleich Schulungszentrum und Webagentur für Handwerksbetriebe und Kleinunternehmen in Frankreich: Marketingkurse für Fotografen, künstlerische Porträtfotografie, lokale Suchmaschinenoptimierung, Online-Terminbuchung und Website-Erstellung.
1. Warum hat die Digitalisierung den Fotografenberuf verändert?
Als Samuel PlancheContact gründete, wollte er Studios zunächst beim Umstieg aufs Digitale helfen: den richtigen Computer wählen, sich ausstatten, die Software lernen. Schnell stieß er auf ein tieferes Problem. Früher, erinnert er sich, mussten die Leute zum Fotografen gehen, wenn sie ein Foto brauchten. Mit digitalen Kompaktkameras brauchten sie ihn für Alltagsfotos nicht mehr, und vor allem ließen sie keine Abzüge mehr machen. Dabei machte das Minilab rund 60 bis 80 % des Umsatzes klassischer Fotografen aus.
Gleichzeitig entstand eine neue Generation von „Lifestyle“-Fotografen. Die Veränderung betraf nicht nur das Medium: Es war ein Paradigmenwechsel. Fotos wie früher zu verkaufen reichte nicht mehr, der Beruf musste neu aufgebaut werden, und zwar mit einem Begriff, der in der Branche damals verpönt war: Marketing.
„Du fotografierst, wir kümmern uns um den Rest“
Auf der Suche nach einem Tool, um seine Kunden besser zu kennen, ihr Profil zu analysieren und die Nachbetreuung zu automatisieren, traf Samuel in Kalifornien das Team von Pictage, einer Plattform, die Gary Fong gegründet hatte (bekannt für seine Blitzdiffusoren). Das Prinzip: Der Fotograf schickt seine Bilder, und die Plattform übernimmt die Online-Präsentation, die Bestellungen, die Alben, das Labor und mit ihrem CRM auch die Kundenbetreuung. Der amerikanische Fotograf David Jay, der diesem Umfeld sehr nahestand, gab ihm eine starke Idee mit: zuerst den Wert der eigenen Marke und der eigenen Persönlichkeit verkaufen, also Personal Branding, und erst dann die Fotos.
Merke: Die Digitalisierung hat einen großen Teil der klassischen Einnahmen von Fotografen (den Abzug) verschwinden lassen. Um profitabel zu bleiben, musst du überdenken, was du verkaufst, an wen und wie, und dich nicht nur neu ausstatten.
2. Warum solltest du als Fotograf wie ein Unternehmer denken?
2006 stieß die erste PhotoCoach-Schulung in Paris, im Apple-Showroom gegenüber dem Trocadéro, auf Ablehnung. Vertreter der Branche hielten dagegen, ein schönes Bild verkaufe sich von selbst und Marketing brauche man nicht; manche sprachen sogar von einer „Sekte“, weil in der Schulung von Zielen die Rede war und davon, wo man sich in drei oder fünf Jahren sieht. Dabei, betont Samuel, entsteht jedes Projekt auf die gleiche Weise: ein Plan, Ziele, Fristen für jede Etappe und ein Geschäftsmodell. Wie verdiene ich Geld? Welche Ressourcen setze ich ein? Was kostet mich das? Und vor allem: Gibt es überhaupt einen Markt für das, was ich verkaufen will?
Die Handwerkerfalle
Samuel empfiehlt das Buch The E-Myth von Michael Gerber, das auch auf Deutsch erschienen ist. Die Grundidee: Die meisten Handwerker gründen ihr Unternehmen auf Basis ihres Könnens und überlegen sich erst danach, wie sie es verkaufen. Der Unternehmer macht es umgekehrt: Er hört zuerst hin, was der Markt braucht, und entwickelt dann das passende Angebot und den passenden Preis.
„Der Fotograf startet mit dem Gedanken: Ich kann etwas, wie verkaufe ich das jetzt? Der Unternehmer dagegen sagt sich: Ich höre dem Markt zu.“
Samuel Malarik
Genau das nennt man Product Market Fit: ein Angebot, das zu einem Markt passt. Samuel wendet das auf seine eigene Geschichte an. Die Verwaltungssoftware für Studios, die er ab 2005 mit seinen Partnern entwickelte, kam zu früh: Sie richtete sich an etablierte Fotografen mit eingespielten Abläufen, die keinen Grund sahen, etwas zu ändern. Rückblickend hätte er die neue Generation ansprechen sollen, die den Beruf neu erfand. Und der Product Market Fit ist nie für immer gesichert: Kunden, Brautpaare und junge Eltern verändern sich, und mit ihnen ihre Erwartungen und der Bildstil, den sie suchen.
Merke: Bevor du einen Preis festlegst, definiere deinen Markt. Wer sind deine Kunden, was wollen sie, wie viel sind sie bereit zu zahlen? Wenn du dir konkrete Zahlenziele setzen willst, ergänzt die Folge mit Audrey RD über Marketing und Ziele für Fotografen diese hier perfekt.
3. Umsatz oder Marge: Worauf kommt es an, um als Fotograf profitabel zu sein?
Laut Samuel ist die neue Fotografengeneration besser gerüstet: Viele hatten schon eine erste Karriere und kennen die Frage nach dem Gleichgewicht zwischen Verkaufspreis, Ausgaben und eigenem Verdienst. Er geht aber noch weiter: Der Umsatz ist eine trügerische Kennzahl.
„Mich interessiert weniger der Umsatz als die Marge, und vor allem die Marge im Verhältnis zur investierten Zeit.“
Samuel Malarik
Jeder kennt Unternehmen mit beeindruckendem Umsatz, die mangels Gewinn kurz vor dem Abgrund stehen. Das Produkt mit dem meisten Umsatz ist nicht unbedingt das, das dich am profitabelsten macht. Um deinen echten Stundensatz zu kennen und zu prüfen, ob jede Leistung deine Kosten und deinen Verdienst deckt, liefert dir ein Tool wie der Preisrechner für Fotografen eine solide Zahlenbasis.
Das Beispiel Passfoto
Samuel wählt ein Beispiel, das nur wenige Fotografen zu schätzen wissen: das Passfoto. In Frankreich kostet es zwischen 10 und 15 Euro, dauert etwa fünf Minuten, und die Kunden müssen entweder zum Fotoautomaten oder zum Fotografen. Am Automaten werden die Fotos aber oft wegen falscher Belichtung oder falschem Bildausschnitt abgelehnt (Anthony hat das bei einem Reisepass selbst erlebt). Bei rund einem Euro Kosten pro Foto ist die Bruttomarge enorm, und laut Samuel kommen manche gut gelegenen Studios allein mit diesem Geschäft auf über 100.000 Euro im Jahr.
Merke: Berechne die Marge jeder Leistung im Verhältnis zur Zeit, die sie dich kostet. Eine kleine, schnelle Leistung mit geringen Kosten und hoher Nachfrage kann profitabler sein als ein großer Auftrag, der dich tagelang beschäftigt.
4. Solltest du neben High-End auch günstige Angebote machen?
Anthony gibt es offen zu: Viele Fotografen werden Samuel für verrückt halten, wo man ihnen doch ständig rät, ihre Preise zu erhöhen. Samuel schlägt aber nicht vor, das High-End-Angebot zu ersetzen, sondern es zu ergänzen. Wer sich nur im oberen Preissegment positioniert, ignoriert das untere Marktsegment, das größer ist und sich leichter erneuert.
Low Cost ist nicht Discount
„Low Cost heißt nicht Discount. Für mich bedeutet es, dass man alles Überflüssige weglässt und sich aufs Wesentliche konzentriert.“
Samuel Malarik
Er nennt mehrere Modelle, die er auf seinen Reisen beobachtet hat:
- Ein irisches Fotografenpaar: eine High-End-Marke, aber auch mittlere Angebote und ein Angebot unter 50 Euro mit einem gerahmten Produkt, das zeitlich genauso profitabel ist wie das High-End-Angebot. Vor allem erzieht es den Markt: Wer die kleine Leistung kennenlernt, versteht, warum die Premium-Leistung kostet, was sie kostet.
- Die deutsche Studiokette Picture People: kurze Shootings von 15 bis 20 Minuten, ein Lockangebot für 19 Euro auf Groupon und laut Samuel ein durchschnittlicher Warenkorb von 250 bis 300 Euro. Die Kunden kommen wegen des kleinen Preises und wollen dann ihre Bilder haben. Da die Kette vor allem digitale Dateien verkauft, ohne Produktkosten, ist die Bruttomarge sehr hoch. Mit einer Online-Galerie kannst du genau so Dateien ohne Herstellungskosten verkaufen.
Das Modell von Anne-Sophie Pic
Sein Lieblingsbeispiel stammt aus der Gastronomie. Im französischen Valence bietet die Drei-Sterne-Köchin Anne-Sophie Pic am selben Ort abends ein Gourmetrestaurant (ab etwa 280 Euro), mittags eine Brasserie (etwa 50 Euro) und etwas weiter ein Take-away-Angebot, Daily Pic, mit Vorspeise, Hauptgang und Dessert für unter 16 Euro, in Gläsern serviert von nur zwei Personen. Das Ergebnis laut Samuel: 30 Gedecke abends im Gourmetrestaurant, rund hundert in der Brasserie und 150 bis 350 pro Tag bei Daily Pic. Er selbst wäre nie ins Drei-Sterne-Restaurant gegangen und hat dort die Kreativität der Köchin entdeckt.
„Das eine steht nicht gegen das andere, beides ergänzt sich eher.“
Samuel Malarik
Auf die Fotografie übertragen ergibt das zwei Angebotsfamilien: das „Prêt-à-porter“, standardisiert und erschwinglich (Passfotos, Mini-Shootings), und die Signature-Fotografie, maßgeschneidert und mit echtem künstlerischem Anspruch. Anthony sieht darin auch eine Absicherung: Wenn ein Bereich stillsteht, wie das Gourmetrestaurant während Corona, bringt der andere weiter Einnahmen.
Merke: Ein gut durchdachtes Einstiegsangebot entwertet deine Signature-Arbeit nicht, es speist sie. Es zieht neue Kunden an, lässt sie deine Bildwelt entdecken und macht deine Premium-Leistung verständlicher.
5. Wie integrierst du Mini-Shootings, ohne deine Premium-Shootings zu kannibalisieren?
Für Samuel kann das Mini-Shooting zum Basisangebot eines Fotografen werden, sofern es klar abgegrenzt ist, zeitlich wie im Kalender:
- Premium-Termine schützen: keine Mini-Shootings am Mittwochnachmittag (in Frankreich schulfrei) oder am Samstag, wenn die ganze Familie Zeit hat; diese Zeiten bleiben den maßgeschneiderten Shootings vorbehalten.
- „Happy Hours“ einführen: ruhige Zeitfenster speziell für Mini-Shootings, zu sanften Preisen.
- Den Ablauf vereinfachen: feste Dauer, fertig aufgebaute Kulisse, standardisierte Lieferung. Wenn du diese Termine per Online-Buchung anbietest, sparst du dir Dutzende Nachrichten hin und her.
Anthony verweist auf die vielen Fotostudio-Kunden, die auf Schwangerschafts- und Neugeborenenfotografie spezialisiert sind und jedes Jahr thematische Weihnachts-Mini-Shootings organisieren, mit immer aufwendigeren Kulissen, die manchmal sogar von Dekorateuren gestaltet werden.
Merke: Mini-Shootings sind profitabel, wenn sie standardisiert und auf feste Zeitfenster beschränkt sind. Sie dürfen nicht die Zeit auffressen, die du deinen Premium-Kunden widmest.
6. Selbstbedienungsstudio: eine Idee, um deine Kulissen besser zu nutzen?
Samuel beobachtet einen Trend aus Asien: In Südkorea bieten „Instagram-Studios“ fertig aufgebaute Kulissen und Licht an; die Kunden müssen nur noch ihr Smartphone aufstellen und posieren. Auch in Europa sind „Instagram-Museen“ entstanden, etwa vor Corona in Brüssel oder in Düsseldorf: Man zahlt Eintritt und macht seine Fotos selbst, ganz ohne Fotografen. Ein sehr profitables Modell, findet er, weil es einem Wunsch der jüngeren Generationen entspricht: selbst machen.
Der Fotograf als Regisseur
Er nennt den Fotografen Jesh de Rox, der mit der Emotion im Bild arbeitet. Sein Beispiel: Ein Paar steht sich gegenüber, sie schließt die Augen, er sagt ihr alles, was er an ihr liebt, und der Fotograf drückt ab, wenn sie die Augen wieder öffnet. Seit jeder ein Smartphone hat, liegt der Wert des Fotografen für ihn nicht mehr in der Technik.
„Der Mehrwert des Fotografen ist nicht mehr die technische Fähigkeit, Bilder zu machen, sondern seine Fähigkeit zur Regie und zur künstlerischen Inszenierung.“
Samuel Malarik
Zwei konkrete Ideen
- Die Lebensdauer einer Kulisse verlängern (Anthonys Idee): Nach einer Reihe von Weihnachts-Mini-Shootings bleibt die Kulisse noch ein paar Tage zur Selbstbedienung zugänglich. Eine Person empfängt die Familien, die ihre Fotos mit dem eigenen Smartphone machen: kein Shooting, keine Bildbearbeitung, und eine Kulisse, die weiter Geld bringt, statt abgebaut zu werden.
- Das Studio im Abo (ein Beispiel aus Kanada, das Samuel nennt): Boxen mit Kulissen und motorisierten Hintergründen, ein Funkauslöser und ein Abo, mit dem man jederzeit Zugang hat, wie in einem Tennisclub. Die beliebteste Zusatzoption? Der Fotograf, denn Kinder hören beim Familienfoto viel besser auf einen Fremden als auf ihren Papa.
Merke: Deine Räume und Kulissen sind Kapital. Darüber nachzudenken, wie sie länger für dich arbeiten können, auch ohne dich, ist eine oft vernachlässigte Quelle für mehr Profitabilität.
7. Wie delegierst du, um skalierbar zu werden?
„Skalierbar“ zu sein heißt, mit einer Stunde Aufwand zehn oder hundert Kunden zu bedienen statt nur einen. Für Samuel hat diese Skalierbarkeit eine Grenze: Solange der Fotograf alles selbst machen will, ist sie unmöglich. Er nennt das Beispiel Karl Lagerfeld, der fotografierte, ohne je die Kamera in der Hand zu halten: Er wusste, was er wollte, und seine Assistenten setzten seine Vision um. Manche amerikanische Hochzeitsfotografen boten ebenso ein günstigeres Paket an, das ein Partner übernahm, der in ihrem Stil und ihrer künstlerischen Handschrift geschult war.
„Einer der Ratschläge, die ich bekommen habe: Samuel, wenn du Geld verdienen willst, musst du andere für dich arbeiten lassen.“
Samuel Malarik, über seine Begleitung durch das Réseau Entreprendre
Diesen Rat bekam er vom Réseau Entreprendre, einem französischen Unternehmernetzwerk, das ihm ein zinsloses persönliches Darlehen gewährte und das er Fotografen empfiehlt, die ihr Unternehmen gründen oder ausbauen. Nach fünfzehn Jahren in der Branche beobachtet er außerdem, dass es „Leader“-Fotografen gibt und eher „ausführende“ Fotografen, die einen in einem Workshop gelernten Stil sehr gut umsetzen. Die einen können mehrere Studios aufbauen und dabei der Kontrollturm bleiben; die anderen können wertvolle Partner werden.
Das extreme Beispiel Bradford Rowley
Samuel erzählt vom amerikanischen Fotografen Bradford Rowley, der die Prinzipien aus Tim Ferriss' Die 4-Stunden-Woche auf die Fotografie übertragen hat: vier Studios, ein einziger Arbeitstag pro Woche, Teams, die seine künstlerische Vorgabe umsetzen. Er zeigt dem Kunden nur ein einziges Bild, präsentiert sich eher als Maler denn als Fotograf und wurde durch Partnerschaften mit Luxusmarken bekannt, die seine Shootings als Geschenk anbieten. Ein amerikanischer Ausdruck fasst seine Strategie zusammen: „your network is your net worth“, dein Netzwerk ist dein Wert.
Anthony relativiert: Delegieren setzt voraus, dass man es sich leisten kann. Wer gerade anfängt, kann nicht schon im ersten Monat jemanden bezahlen. Manche Aufgaben lassen sich aber auch ohne Einstellung abgeben: Verwaltung, Nachfassen und Erinnerungen kannst du automatisierten Workflows überlassen und deine Energie für die kreative Arbeit aufsparen.
Merke: Um delegieren zu können, musst du zuerst wissen, was du erwartest: klare Regeln und definierte Ergebnisse. Fülle deinen Kalender zuerst mit dem, was dir wichtig ist, und gib den Rest ab, an eine Person oder an ein Tool.
8. Welches Modell passt zu deinem Fotografie-Business?
Für Anthony ist das Fazit der Folge einfach: Die Grundlage ist, sich selbst zu kennen. Zehn Shootings im Monat mit einem ordentlichen Einkommen und Zeit für die Familie können vollkommen glücklich machen. Andere haben eine unternehmerische Ader und wollen ihr Business wachsen lassen: Für sie wurden diese Ideen geteilt.
„Wer seine Komfortzone verlassen will und diesen Drang hat, weiterzugehen, für den gibt es jede Menge Lösungen.“
Anthony Heukmes
Samuel ermutigt Fotografen, ihre Scheuklappen abzulegen: Zehn Fotografen, die nebeneinander ansässig sind, können zehn verschiedene Berufe ausüben, der eine setzt auf erschwingliche, optimierte Angebote, der andere aufs Delegieren, um seine Woche freizubekommen, ein dritter auf eine sehr hochwertige Signature-Fotografie.
Merke: Es gibt nicht das eine richtige Modell. Das richtige ist das, das zu deinen Lebenszielen, deinem Markt und deiner Marge passt, und es wird sich mit dir weiterentwickeln.
Fehler, die du vermeiden solltest, wenn du als Fotograf profitabel sein willst
Aus der Erfahrung von Samuel Malarik:
✗ Dein Angebot nur auf deinem Können aufbauen, ohne zu prüfen, ob es zum angestrebten Preis einen Markt gibt.
✗ Dein Business nach dem Umsatz steuern statt nach der Marge pro Arbeitsstunde.
✗ Kleine Leistungen geringschätzen wie Passfotos oder Mini-Shootings, die oft sehr profitabel sind.
✗ Low Cost mit Discount verwechseln: Wer die Preise senkt, ohne die Leistung zu vereinfachen, verliert Geld.
✗ Mini-Shootings die Termine überlassen, die für Premium-Kunden reserviert sind.
✗ Alles selbst machen wollen und damit riskieren, an eine Decke zu stoßen und auszubrennen.
✗ Glauben, dass sich der Markt nicht verändert: Die Erwartungen der Kunden wandeln sich, das Angebot muss mitziehen.
FAQ: Als Fotograf profitabel arbeiten und dein Angebot erweitern
Wie werde ich als Fotograf profitabel?
Für Samuel Malarik musst du zuerst vom Markt ausgehen: herausfinden, was deine Kunden suchen und zu welchem Preis, und dann passende Angebote entwickeln. Verfolge danach die Marge jeder Leistung im Verhältnis zur aufgewendeten Zeit statt den Umsatz, und automatisiere oder delegiere alle Aufgaben, die nicht dein fotografisches Auge brauchen.
Muss ich meine Preise erhöhen, um als Fotograf mehr zu verdienen?
Nicht unbedingt. Höhere Preise sind eine Option, aber nicht die einzige. Samuel Malarik schlägt vor, ein High-End-Angebot, die Signature-Fotografie, beizubehalten und erschwinglichere Angebote zu ergänzen, die einfach und schnell umzusetzen sind, ein breiteres Publikum ansprechen und trotzdem profitabel bleiben.
Lohnen sich Mini-Shootings für Fotografen?
Ja, wenn sie standardisiert sind: feste Dauer, vorbereitete Kulisse, standardisierte Lieferung und eigens dafür reservierte Zeitfenster. So werden sie zu einem Einstiegsangebot, über das Kunden deine Arbeit kennenlernen. Leg sie nicht auf die gefragtesten Termine wie den Samstag, damit sie deinen maßgeschneiderten Shootings keinen Platz wegnehmen.
Lohnen sich Passfotos für Fotografen?
Sie können sich sehr lohnen. In Frankreich werden sie für 10 bis 15 Euro verkauft, sind in wenigen Minuten gemacht und verursachen etwa einen Euro Kosten, was eine sehr hohe Bruttomarge ergibt. Laut Samuel Malarik kommen manche gut gelegenen Studios allein mit diesem Geschäft auf über 100.000 Euro im Jahr.
Was ist der Unterschied zwischen Low Cost und Discount in der Fotografie?
Discount bedeutet, die Preise zu senken. Low Cost, so wie Samuel Malarik es beschreibt, bedeutet, alles Überflüssige wegzulassen und sich aufs Wesentliche zu konzentrieren: kurzes Shooting, eine einzige Kulisse, digitale Dateien statt Produkte. Der Preis ist niedriger, weil die Leistung günstiger in der Herstellung ist, nicht weil der Fotograf mit Verlust arbeitet.
Wie kann ich als Fotograf delegieren, ohne meinen Stil zu verlieren?
Indem du zum Art Director wirst: klare Regeln, eine Richtung und die erwarteten Ergebnisse festlegen und die Umsetzung dann einem Partner oder Assistenten anvertrauen, der in deinem Stil geschult ist. Verwaltungsaufgaben lassen sich automatisieren. Delegieren setzt allerdings genug Einnahmen voraus, um jemanden bezahlen zu können.
Wie baue ich mir als Fotograf mehrere Einnahmequellen auf?
Kombiniere mehrere Angebote rund um dein Können: eine hochwertige Signature-Leistung, Mini-Shootings oder kleine, erschwingliche Formate, den Verkauf digitaler Dateien und sogar die Vermietung deiner Kulissen zur Selbstbedienung. Wie ein Restaurant, das ein Gourmetmenü, eine Brasserie und Take-away anbietet, erreicht jedes Angebot ein anderes Publikum und sichert dein Einkommen ab.
Entdecke die Arbeit von Samuel Malarik
Marketingkurse für Fotografen, künstlerische Porträtfotografie, lokale Suchmaschinenoptimierung und Websites für Handwerksbetriebe: Samuels Angebot findest du auf der Website von PlancheContact, planchecontact.fr.
Dieser Artikel basiert auf Folge #029 des Fotostudio-Podcasts (auf Französisch), moderiert von Anthony Heukmes und aufgenommen im Frühjahr 2021. Die Zitate von Samuel Malarik und Anthony Heukmes wurden aus dem Französischen übersetzt. Seine Ratschläge sind nach wie vor aktuell.
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