Seit 2010 ist Benjamin Brette Hochzeitsfotograf in Paris, und inzwischen macht die Fotografie von Cocktails und Spirituosen die Hälfte seiner Arbeit aus. Er erzählt, wie ihn ein einfacher Photocall bis auf die Titelseiten eines Fachmagazins geführt hat und warum du keine Angst haben solltest, Ja zu sagen.
Kurz zusammengefasst:
Als Hochzeitsfotograf zum Getränkefotografen zu werden beruht laut Benjamin Brette auf ein paar Grundsätzen:
• Begegnungen nutzen: Jeder neue Geschäftskunde ist aus einem Kontakt, einem Event oder einer Empfehlung entstanden
• Ehrlich sein, wenn du etwas noch nie gemacht hast, und dich dann informieren und weiterbilden, um der Aufgabe gerecht zu werden
• Getrennte Schaufenster: eine Website für Brautpaare, eine andere für Marken
• Deinen Stil behalten und trotzdem den Auftrag respektieren: Ein Markenfoto muss zuerst der Marke dienen
Eine Hochzeit zu fotografieren heißt, das Unvorhergesehene in einer halben Sekunde einzufangen. Einen Cocktail zu fotografieren heißt, alles zu kontrollieren, von der Spiegelung im Glas bis zum letzten Eiswürfel. Benjamin Brette macht beides: Er ist ein bekannter Hochzeitsfotograf in Paris und fotografiert außerdem Getränke, Flaschen und Bars für die Fachpresse und für Spirituosenmarken.
Im Gespräch mit Eloa Landais, Fotografin und Verantwortliche für die Schulungen bei Fotostudio, spricht er über seinen Quereinstieg, darüber, wie er sich breiter aufgestellt hat, ohne die Hochzeitsfotografie je aufzugeben, und über die unerwarteten Türen, die ihm die Fotografie geöffnet hat, von Roland-Garros bis zum Spiegelsaal von Versailles.
Wer ist Benjamin Brette?
Benjamin Brette ist Hochzeitsfotograf im Großraum Paris und begleitet seine Paare auch in ganz Frankreich und im Ausland. Sein Ansatz ist die Reportage: spontane, moderne und ehrliche Bilder statt gestellter Fotos.
- Ein Quereinsteiger: 2010 verlässt er seine Festanstellung im Rahmen eines freiwilligen Abfindungsprogramms, um Fotograf zu werden.
- Ein Getränkefotograf: Cocktails, Flaschen, Bars und Spirituosen, für die Fachpresse der Barbranche und für Marken.
- Ein Unternehmensfotograf: Eventreportagen, Photocall-Aktionen und sogar Aufnahmen des Center Courts von Roland-Garros während der Bauarbeiten, im Auftrag eines Scheinwerferherstellers.
Zum Zeitpunkt der Aufnahme, im Januar 2021, teilt sich seine Arbeit fast zu gleichen Teilen zwischen Hochzeiten und der Welt der Getränke auf.
1. Wie wird man als Quereinsteiger Hochzeitsfotograf?
Benjamin beschreibt seinen Werdegang selbst als „das schrecklich klassische Muster des beruflichen Neuanfangs“. Er hat damals eine gut bezahlte Stelle in der Nähe seiner Wohnung, mit angenehmen Arbeitszeiten, aber todlangweilig. Als sein Unternehmen einen Sozialplan mit sehr günstigen Abfindungsbedingungen ankündigt, wagt er den Sprung: Er gibt sich zwei Jahre, um es zu schaffen oder zu scheitern.
Die Entscheidung für Hochzeiten liegt fast auf der Hand. Er fotografiert bereits als Amateur und hat während seiner Studienzeit als Hochzeits-DJ gearbeitet. Fotografie auf der einen Seite, Hochzeiten auf der anderen: „Abgemacht.“
Eine Schule des Selbermachens
Kein Mentor, keine Modemagazine: Benjamin bezeichnet sich als „Foto-Geek“. Seine wichtigste Schule war das Forum von Hardware.fr, einer französischen IT-Website mit einer großen Fotografen-Community. Dort hat er Dinge gelernt, die er bis heute anwendet. Über Mundpropaganda lernt er dann andere Fotografen kennen, entdeckt den GNPP (den französischen Verband der Berufsfotografen) und eine Generation, die die Hochzeitsfotografie mit einem dokumentarischeren Ansatz entstaubt.
Die erste Hochzeit, gefunden in einem Forum
Um seine ersten Brautpaare zu finden, wendet er dieselbe Methode an: Er meldet sich in den großen Frauenforen der damaligen Zeit an, sucht nach künftigen Brautpaaren, die über ihr Hochzeitsdatum sprechen, und schreibt ihnen eine private Nachricht, in der er ihnen ganz offen als Einsteiger seine Dienste anbietet. Seine erste Hochzeit, ein ganzer Tag mit Album und zusätzlichen Shootings, verkauft er für 800 Euro. Einen Preis, den er heute für einen Anfänger angemessen findet, vorausgesetzt, du weißt, wie du deine Preise anhand deines tatsächlichen Zeitaufwands kalkulierst. Ein gutes Dutzend schöner Bilder von dieser Hochzeit reicht, um seine Website zu starten.
„Technisch sind sie misslungen, aber nicht in der Absicht.“
Benjamin Brette über seine Fotos von 2010
Merke: Die Technik wird mit den Jahren besser, aber die Absicht ist von Anfang an da. Benjamins erste Brautpaare waren begeistert, und genau darauf kommt es an.
2. Wie bleibst du deinen Brautpaaren treu, wenn eine Hochzeit auf die nächste folgt?
Benjamin gibt zu, sich eine Zeit lang in „ästhetischen Spinnereien“ verloren zu haben, auf Kosten dessen, was seine Kunden erwarteten. Daraus hat er eine einfache Regel abgeleitet: Die schönen Sätze, die alle Fotografen auf ihre Website schreiben, etwa „eure Geschichte erzählen“, sind ein Versprechen.
„Was wir unseren Kunden sagen, müssen wir auch wirklich umsetzen.“
Benjamin Brette
Diesen Anspruch zu halten, fällt im April nach der Winterpause leichter als im September mit 20 oder 25 Hochzeiten in den Knochen. Aber für das Brautpaar ist es der Tag ihres Lebens.
100 % der Fotos für die Kunden
Viele Fotografen gönnen sich auf jeder Hochzeit ein paar Bilder „für sich selbst“. Benjamin weigert sich, in Prozenten zu denken: Wenn er 20 % der Fotos für sich macht, bekommen seine Kunden nur 80 % seiner Arbeit. Sein Ziel ist, dass die Bilder, die ihm am besten gefallen, auch die sind, die seinen Brautpaaren am besten gefallen. Selbst Gruppenfotos, die wenig Kreativität verlangen, für die Familien aber enorm wichtig sind, verdienen eine perfekte Belichtung und einen perfekten Bildausschnitt.
Du bist selbst Hochzeitsfotograf? Genau diese Sorgfalt für deine Kunden sorgt Saison für Saison für Empfehlungen.
3. Warum Firmenevents zur Hochzeitsfotografie hinzunehmen?
Schon früh lernt Benjamin den Chef einer Agentur für Eventfotografie kennen, die Fotografen zu Firmenfeiern schickt. Er entdeckt einen anderen Beruf:
- Reportagen bei Firmenfeiern und Unternehmensevents;
- Photocall-Aktionen mit Greenscreen und Sofortdruck für die Gäste;
- personalisierte Artikel: Buttons, Christbaumkugeln und Weihnachtssterne mit dem Foto der Teilnehmer.
Das war keine Flucht vor der Hochzeitsfotografie, sondern eine Gelegenheit, etwas anderes zu sehen. Und vor allem eine Tätigkeit, die sich gut damit verbinden lässt: Diese Aufträge finden abends und unter der Woche statt, nie samstags. Die Agentur gibt es inzwischen nicht mehr, und die Pandemie hat das Eventgeschäft eingeschränkt, aber Benjamin hat ein paar Stammkunden für Unternehmensreportagen behalten.
Merke: Firmenevents passen genau in die Tage, an denen ein Hochzeitsfotograf frei ist. Außerdem sind sie ein großartiger Ort, um berufliche Kontakte zu knüpfen.
4. Wie wird ein Hochzeitsfotograf zum Getränkefotografen?
Durch Zufall, wie so oft. Ein Veranstalter stößt auf seine Website (eine Hochzeitswebsite) und bucht ihn für einen Photocall bei einem Tasting-Abend der Ginmarke Gordon's, auf einem Hausboot in Paris. Unvergessen: Ein Windstoß weht einen Blitzschirm samt Stativ in die Seine.
Der Veranstalter bucht ihn erneut für eine andere Spirituosenmarke und verrät ihm dann, dass er ein Fachmagazin leitet, das in Bars verteilt wird und gerade ein neues Layout bekommt. Er schlägt Benjamin vor, ein oder zwei Fotos zu machen. Benjamin hat noch nie Foodfotografie gemacht und sagt das auch offen. Der Verleger gibt ihm trotzdem eine Chance. Jahre später fotografiert Benjamin immer noch die Titelseiten des Magazins.
„Es ist sein Magazin, sein Baby. Er hat mir wirklich vertraut, die Titelfotos zu machen.“
Benjamin Brette
Ein mobiles Studio, direkt in der Bar
Für seine ersten Shootings legt sich Benjamin ein kleines tragbares Studio zu, das er direkt in der Bar aufbaut, in der ein Barkeeper den Cocktail mixt. Die Erfahrung gefällt ihm so gut, dass er daraus eine zweite Nische macht: die Welt der Getränke im weitesten Sinne, einschließlich alkoholfreier Getränke, Mocktails und sogar einer Wassermarke.
Eine kleine Welt, die über Netzwerke funktioniert
Danach geht alles Schritt für Schritt weiter: Journalisten, die über ihn sprechen, eine Kommunikationsagentur, die ihn einer Marke vorstellt, eine Marke, die ihn einer anderen empfiehlt. Wie jede Branche ist die Wein- und Spirituosenwelt ein Mikrokosmos, in dem sich Vertrauen schnell herumspricht.
5. Brauchst du eine eigene Website für Geschäftskunden?
Für Benjamin ja. Als er beschließt, die Getränkefotografie ernsthaft auszubauen, erstellt er eine zweite Website, die sich ausschließlich an Geschäftskunden richtet. Seine Überlegung: Eine Spirituosenmarke, die auf seine Website kommt, muss sofort Bilder sehen, mit denen sie sich identifizieren kann. Hochzeitsfotos wären für sie völlig uninteressant, und umgekehrt gilt dasselbe für künftige Brautpaare.
Eloa betont: Hochzeiten haben, genau wie Familienfotos im Studio, bei Geschäftskunden manchmal ein wenig schmeichelhaftes Image. Zwei getrennte Schaufenster sind der Weg, um „mit Profis ganz professionell“ aufzutreten. Mit einem Tool, mit dem du deine Fotografen-Website erstellen kannst, sind zwei zielgerichtete Websites kein Hexenwerk.
Wenn Hochzeiten die Türen zu Marken öffnen
Trotzdem überschneiden sich die beiden Welten manchmal. Eine Marke, für die Benjamin bis dahin nur Flaschen im Studio fotografiert hatte, beauftragte ihn mit der Reportage einer Promotion-Tour durch die Bars, nachdem sie seine Hochzeitsfotos gesehen hatte. Sie wollte wissen, was er in Bewegung und im Moment einfangen kann.
Merke: Trenne deine Websites, damit sich jeder Kunde wiederfindet, aber schäme dich nicht für deine Hochzeitsarbeit. Dein Reportageblick kann eine Marke überzeugen.
6. Wie fotografierst du Gläser und Flaschen?
Eloa erinnert sich an einen Auftrag für hochwertige Türgriffe: Auf so glänzenden Oberflächen wird jede Spiegelung zum Kopfzerbrechen. Benjamin bestätigt, dass sich das Fotografieren spiegelnder Objekte nicht improvisieren lässt. Er hat herumprobiert, viele Tests gemacht, Bücher gekauft und eine Weiterbildung bei einem Foodfotografen aus dem Großraum Paris besucht.
Seine Rangliste der Schwierigkeiten:
- Kleine Objekte wie Uhren und Schmuck: am technischsten, echte Erfahrungssache.
- Flaschen: sehr technisch, vor allem in einer „Lifestyle“-Umgebung, wenn die Flasche zur Geltung kommen und trotzdem natürlich in die Szene passen soll.
- Gläser: ebenfalls technisch, aber weniger heikel als Flaschen.
„Man probiert herum, macht Tests, informiert sich, kauft Bücher.“
Benjamin Brette
7. Wer entscheidet bei einem Cocktail-Shooting über das Bild?
Das hängt vom Kunden ab. Benjamin unterscheidet zwei Situationen.
Für die Fachpresse: freie Hand, mit klaren Vorgaben
Für Magazine zieht er mit seinem Auftrag los (zum Beispiel drei Cocktails in einer bestimmten Pariser Bar) und übernimmt alles selbst, auch das Styling. Die Freiheit ist groß, aber durch eine redaktionelle Linie vorgegeben:
- ein mit der Redaktion abgestimmter Lichtstil;
- Fotos immer im Hochformat, mit Platz für Text;
- ein oder zwei „Hingucker“ des Ortes (ein Möbelstück, ein Gemälde, ein Deko-Element), damit die Bar wiedererkennbar bleibt und das Bild nicht beliebig wirkt.
Für Marken: Teamarbeit
Mit einer Marke arbeitet er direkt mit den Marketingteams zusammen, manchmal auch mit einer Kommunikationsagentur oder einem Art Director. Dann müssen drei oder vier Meinungen unter einen Hut gebracht werden, was Stunden dauern kann. Wie auch die Foodfotografin Fanette Rickert erzählt, wird das Styling manchmal Spezialisten überlassen, und der Fotograf konzentriert sich auf das Licht.
Für Benjamin ist eines klar: Es sind Auftragsfotos, die von der Marke in einem bestimmten Rahmen genutzt werden. Kanäle, Dauer und Preis dieser Nutzung werden verhandelt, und am besten legst du sie in einem Vertrag fest.
„Wäre ich wie ein Stier aufgetreten, der alles umrennt, hätte ich nicht all das gemacht, was ich heute gemacht habe.“
Benjamin Brette
8. Wie behältst du deinen Stil in ganz unterschiedlichen Welten?
Benjamin ist über die Architekturfotografie zur Fotografie gekommen, manchmal ziemlich abstrakt. Seine Inspirationsquellen sind sehr geometrisch, und diese Vorliebe für Grafik zieht sich durch seine gesamte Arbeit: Er bringt sie in seine Hochzeitsreportagen ein, wenn es passt, genauso wie in seine Cocktail-Kompositionen. Eloa bestätigt: Man spürt diese Bildsprache auch in seinen Hochzeiten.
Orte, von denen er nie gedacht hätte, sie zu betreten
Für Benjamin ist die schönste Überraschung seiner zehn Berufsjahre, welche Türen ihm die Fotografie geöffnet hat:
- Roland-Garros: Im Auftrag eines Scheinwerferherstellers hat er den Court Philippe-Chatrier während der Bauarbeiten fotografiert, als Dach und Beleuchtung installiert wurden.
- Versailles: Bei einem Markenevent stand er um 23 Uhr allein im Spiegelsaal.
- Das Palais Bulles von Pierre Cardin: Dort hat er zwei Hochzeiten fotografiert, in einem echten architektonischen Kunstwerk.
Bei den Cocktails hat er überraschende Rezepte probiert: einen mit Gorgonzola infusionierten Negroni, einen Cocktail mit Rinderjus. Mixologie, fasst er zusammen, ist flüssige Küche: dieselbe Arbeit an Geschmackskombinationen wie bei einem Koch.
9. Hochzeiten und Marken: ein saisonales Gleichgewicht
Benjamins zwei Tätigkeiten ergänzen sich im Kalender perfekt. Die Hochzeiten konzentrieren sich auf die warme Jahreszeit und die Wochenenden; die Getränkefotografie verteilt sich auf den Rest des Jahres, ohne den Druck eines einmaligen Termins.
| Hochzeitsfotografie | Cocktailfotografie | |
|---|---|---|
| Rhythmus | Wochenenden, von März bis Oktober | Ganzjährig, unter der Woche |
| Arbeitsweise | Unter Zeitdruck, Entscheidung in einer halben Sekunde | Inszenierte Bilder, alles ist kontrolliert |
| Fehlertoleranz | Keine: Der Moment lässt sich nicht wiederholen | Man kann neu ansetzen und feilen |
| Reiz | Sich überraschen lassen | Alles von A bis Z gestalten |
Reportage auf der einen Seite, Studio auf der anderen: für ihn „das Beste aus beiden Welten“. Ein Porträtstudio zu eröffnen, reizt ihn übrigens überhaupt nicht. Seine dritte Leidenschaft, die Streetfotografie, bleibt ein privates Vergnügen, ohne Anspruch auf Rentabilität.
Diese Folge wurde im Januar 2021 während der Corona-Pandemie aufgenommen. Benjamin stellt darin fest, dass seine Brautpaare entgegen seiner Erwartung keine Fotos mit Masken behalten wollten.
10. Spezialisieren oder neue Projekte annehmen?
Eloa erinnert an die beiden Denkschulen: sich auf eine Nische spezialisieren, um dort der Beste zu werden, oder mehrere Tätigkeiten kombinieren (Schulfotografie, Babybauch, Hochzeit, Unternehmen). Benjamin will sich nicht festlegen. Man kann klassische Musik und Metal mögen; man kann seine Einnahmequellen auch aus wirtschaftlicher Notwendigkeit vervielfachen, und das ist genauso ehrenwert. Wer sich ganz auf eine Disziplin konzentriert, leistet oft ebenfalls bemerkenswerte Arbeit.
Das Vertrauen eines Kunden ist Gold wert
Sein eigentlicher Rat dreht sich um Mut. Roland-Garros, das Magazin, die Marken: Jedes Mal hat man ihn für eine Arbeit angefragt, die er noch nie gemacht hatte.
„Du solltest nicht zu viel Angst haben, Ja zu sagen. Wenn dir jemand sein Vertrauen schenkt, solltest du nicht so schnell Nein sagen.“
Benjamin Brette
Vorausgesetzt, du spielst mit offenen Karten: Sag, dass es für dich neu ist, und setz dann Himmel und Hölle in Bewegung, um der Aufgabe gerecht zu werden. Die Dankbarkeit gegenüber jemandem, der dir vertraut, ist für ihn die beste Motivation. Und die Grundlagen bleiben von Foto zu Foto dieselben: Licht, Bildausschnitt, Technik. Damit bist du für „99,99 % der Arbeit“ gerüstet.
Zum Schluss erinnert er an etwas Demut: Ein Auftragsfotograf ist kein Künstler, der alles vorgibt. Klar festzulegen, was erwartet wird, und zwar im Vertrag, dem Kunden zuzuhören und bereit zu sein, „Wasser in seinen Wein zu gießen“, also Kompromisse einzugehen: Das ist der Schlüssel zu einer guten Zusammenarbeit.
Merke: Wenn dir jemand ein Projekt vorschlägt, das du noch nie gemacht hast, dann mag er deinen Blick bereits. Sei ehrlich, informiere dich und nutze die Chance.
Welche Fehler solltest du vermeiden, wenn du in die Getränkefotografie einsteigst?
Aus der Erfahrung von Benjamin Brette:
✗ Einer Spirituosenmarke Hochzeitsfotos zeigen, statt eines Portfolios oder einer Website speziell für Geschäftskunden.
✗ Ein Projekt aus Angst ablehnen, obwohl der Kunde dir bereits vertraut.
✗ Fehlende Erfahrung verschweigen: Offenheit ist die Grundlage einer guten Zusammenarbeit.
✗ Die Spiegelungen unterschätzen, die Flaschen und Gläser erzeugen und die Tests und Weiterbildung erfordern.
✗ Deine künstlerische Vision durchdrücken, obwohl es sich um ein Auftragsfoto handelt, das eine Marke nutzen will.
✗ Fotos „für dich selbst“ auf Kosten des Brautpaars machen und dabei die Versprechen auf deiner Website vergessen.
✗ Kleine Events unterschätzen: Ein einfacher Photocall kann dir einen Kunden für viele Jahre bringen.
FAQ: Getränkefotograf werden
Wie werde ich Getränkefotograf?
Erstelle zuerst ein paar Getränkebilder und nutze dann dein Netzwerk: Bars, Markenevents, Kommunikationsagenturen, Fachpresse. Der Hochzeitsfotograf Benjamin Brette hat seinen ersten Auftrag bekommen, nachdem er einen Photocall für eine Ginmarke betreut hatte, und sich danach in Produktfotografie weitergebildet.
Kann ein Hochzeitsfotograf auch Food- und Getränkefotografie machen?
Ja, wenn er Produktfotografie lernt, die sich stark von der Reportage unterscheidet: kontrolliertes Licht, Umgang mit Spiegelungen, Styling. Beide Tätigkeiten ergänzen sich gut, denn Getränkefotografie findet unter der Woche und außerhalb der Hochzeitssaison statt.
Warum ist Flaschenfotografie so schwierig?
Wegen der Spiegelungen. Eine Glasflasche reflektiert alles um sie herum, und sie in einer natürlichen Umgebung zur Geltung zu bringen, erfordert viele Einstellungen. Laut Benjamin Brette sind Flaschen technischer als Gläser, und kleine Objekte wie Schmuck oder Uhren sind noch anspruchsvoller.
Brauche ich getrennte Websites für Hochzeitsfotografie und Businessfotografie?
Das ist empfehlenswert. Eine Marke muss sofort Bilder sehen, mit denen sie sich identifiziert, und künftige Brautpaare suchen keine Flaschenfotos. Mit zwei getrennten Websites sprichst du jede Zielgruppe mit dem passenden Portfolio und im richtigen Ton an.
Wie finde ich als Fotograf Kunden in der Wein- und Spirituosenbranche?
Vor allem über dein Netzwerk. Die Branche ist ein Mikrokosmos: Journalisten, Kommunikationsagenturen, Eventveranstalter und Marken empfehlen sich gegenseitig weiter. Ein gelungener Auftrag für einen ersten Kunden öffnet oft die Tür zum nächsten.
Wer macht das Styling bei einem Cocktail-Shooting?
Das hängt vom Projekt ab. Für die Fachpresse übernimmt der Fotograf oft alles allein, im Rahmen einer redaktionellen Linie. Für eine Marke arbeitet er mit den Marketingteams, einer Agentur oder einem Art Director zusammen und manchmal mit einem Stylisten.
Sollte ich mich als Fotograf spezialisieren oder breit aufstellen?
Die eine richtige Antwort gibt es nicht. Mit einer Spezialisierung kannst du in einem Bereich herausragend werden; wenn du dich breiter aufstellst, hast du mehr Einnahmequellen und mehr Begegnungen. Benjamin Brette kombiniert Hochzeiten und Getränkefotografie, zwei Tätigkeiten, deren Kalender sich ergänzen.
Die Arbeit von Benjamin Brette entdecken
Seine Hochzeitsreportagen aus Paris und anderen Orten findest du auf seiner Website: benjaminbrette.com. Für Unternehmen stellt er seine Foto- und Videoleistungen auf studiocorp.fr vor.
Dieser Artikel basiert auf Folge #017 des Fotostudio-Podcasts (auf Französisch), moderiert von Eloa Landais und aufgenommen im Januar 2021. Die Zitate von Benjamin Brette wurden aus dem Französischen übersetzt. Seine Tipps sind nach wie vor aktuell.
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