Sie hatte panische Angst vor Wasser, heute fotografiert sie werdende Mütter unter der Wasseroberfläche und bildet andere Fotografen aus. Die ehemalige Feuerwehrfrau Alison Bounce erklärt, wie du ein Unterwasser-Fotoshooting sicher organisierst: Vorbereitung, Rettungsschwimmer, Pool, Ausrüstung und Preise.
Kurz zusammengefasst:
Was Unterwasser- und Hochzeitsfotografin Alison Bounce bei jedem Shooting unter Wasser anwendet:
• Sicherheit zuerst: Rettungsschwimmer vor Ort, Schwimmtest, Wasser mit 28 bis 30 Grad, Bescheinigung der Hebamme für werdende Mütter, niemals Drucklufttauchgerät
• Sehr kurze Tauchgänge: 3 bis 6 Sekunden unter Wasser, rund dreißig Abtauchvorgänge, viele Pausen und höchstens eine Stunde zwanzig im Wasser
• Vorbereitung mit dem Bleistift: Fragebogen, Inspirationen, die keine Unterwasserfotos sind, Skizzen von 5 bis 8 Posen, die zu Hause geübt werden
• Ein Preis, der die Logistik deckt: mindestens 650 Euro Shootinggebühr für den Einstieg, besser 850, und ein angestrebter Durchschnittsumsatz von etwa 1.500 bis 2.000 Euro
• Ausbildung und Praxis: Drei Tage Schulung reichen nicht, es braucht Training, eine gute körperliche Verfassung und Begleitung
Eine werdende Mutter, die mit geschlossenen Augen in einem weißen Schleier schwebt: Unterwasserfotos faszinieren. Doch hinter diesen Bildern stecken ein stundenweise gemieteter Pool, ein Rettungsschwimmer, Assistenten, Tauchgänge von wenigen Sekunden und viele Vorsichtsmaßnahmen. Alison Bounce weiß das besser als jede andere: Mit 18 konnte sie kaum schwimmen, beim Tauchen wäre sie fast ertrunken, und trotzdem ist sie schon 2014 in die Unterwasserfotografie eingestiegen, zu einer Zeit, als in Frankreich fast niemand so etwas machte.
Im Gespräch mit Eloa Landais, Fotografin und verantwortlich für die Schulungen bei Fotostudio, erzählt sie, wie eine Szene auf den Philippinen ihre Karriere verändert hat. Sie beschreibt den Ablauf eines Unterwasser-Babybauchshootings, ihre Sicherheitsregeln, ihre Preise und ihre Ausrüstung und erklärt, warum sie parallel weiterhin Hochzeiten fotografiert.
Wer ist Alison Bounce?
Alison Bounce ist Unterwasser- und Hochzeitsfotografin. Sie stammt aus der Ardèche und lebt in Südfrankreich. Zum Zeitpunkt der Aufnahme, im Frühjahr 2021, ist sie gerade 33 Jahre alt geworden.
- Ehemalige Feuerwehrfrau: Prävention, Sicherheit und Hygiene sind „ihr Steckenpferd“, und genau das prägt ihre gesamte Arbeit unter Wasser.
- Berufsfotografin seit 2014, zunächst als Hochzeitsreportage-Fotografin, mit einem spontanen und schrägen Stil.
- Unterwasserfotografie seit Ende 2014: vor allem werdende Mütter, aber auch Porträts, Tiere, Sets, Produkt- und Werbefotografie.
- Autorin von Les Secrets du portrait underwater (auf Deutsch etwa: „Die Geheimnisse des Unterwasserporträts“, Verlag Eyrolles), das als erstes Fachbuch über das Porträt unter Wasser gilt, und Trainerin für Fotografen, die in diesen Bereich einsteigen wollen.
- Reisende: Anfang 2020 verbringt sie etwas mehr als vier Wochen auf einem 20 Meter langen Segelboot in der Antarktis, taucht in 1 bis 2 Grad kaltes Wasser mit einem 5-mm-Anzug und kehrt mitten in der Pandemie zurück.
Heute stellt ihre (französischsprachige) Website alisonbounce.com sie als Fotokünstlerin und Unterwasserregisseurin in Hyères, im Département Var, vor, spezialisiert auf Weiblichkeit und Mutterschaft: Babybauch-, Paar- und Familienshootings unter Wasser, Werbefotografie, Ausstellungen, Schulungen zum Unterwasserporträt und ein Shop für Fotoabzüge.
1. Wie wird man Unterwasserfotografin, wenn man Angst vor Wasser hat?
Alison war zuerst Fotografin und erst danach „Unterwasser“-Fotografin. Schwimmen hat sie mit 18 oder 19 Jahren gelernt, für ihre Aufnahmeprüfungen bei der Feuerwehr: Ein Sportdozent an der Uni, der wusste, dass sie und das Wasser „sich nicht gut vertrugen“, hat sie kurzerhand für Schwimmen eingetragen. Innerhalb eines Semesters schwimmt sie 400 Meter Lagen. Später, auf Reisen, geht ein Schnuppertauchgang schief: Sie wäre fast ertrunken und weicht auf Maske und Schnorchel aus.
Der Auslöser auf den Philippinen
Beim Schnorcheln auf den Philippinen sieht sie, wie eine schwangere Frau ihren älteren Sohn unter Wasser taucht. Zuerst glaubt sie, das Kind ertrinke. Der Junge taucht lachend wieder auf, taucht erneut ab und folgt den Blasen und dem Licht. Zurück im Bungalow tippt sie „Baby unter Wasser“ ein, entdeckt das berühmte Albumcover mit dem schwimmenden Baby und dann die Existenz von Unterwassergehäusen. Drei oder vier Tage später bestellt sie eines, mit dem Gedanken, es notfalls wieder zu verkaufen.
„Zuerst Fotografin. Eigentlich habe ich eine Phobie vor Wasser.“
Alison Bounce
Ein abenteuerliches erstes Shooting
Ende 2014 bittet sie ein städtisches Schwimmbad, sie für Tests aufzunehmen, zusammen mit der allerersten Mutter, die sie an Land fotografiert hatte und die nun mit ihrem zweiten Kind schwanger war. Erster Tauchgang: Das Gehäuse läuft voll, eine Dichtung wurde vergessen. In Frankreich gibt es damals so gut wie keine Informationen zu dem Thema. Alison bringt sich also alles selbst bei und geht jedem Detail auf den Grund: Sie sucht die Zusammenarbeit mit einer Hebamme, lässt sich im Apnoetauchen ausbilden, frischt ihr BNSSA auf (ein französisches Diplom als Badeaufsicht und Rettungsschwimmerin) und lernt, ihr Gehäuse zu zerlegen und wieder zusammenzubauen.
Merke: Angst vor Wasser ist kein endgültiges Hindernis, aber sie zwingt dich, alles gründlich zu lernen. Gerade dieser Mangel an Orientierung hat Alison zur Spezialistin gemacht.
2. Wie läuft ein Babybauchshooting unter Wasser ab?
Werdende Mütter machen den Großteil von Alisons Unterwasser-Shootings aus. Da die Zeit unter Wasser sehr kurz ist, entscheidet sich fast alles vor dem Shooting.
Vorbereitung mit dem Bleistift
Mehrere Vorbereitungstermine, „tausende Fragen“ und ein Fragebogen, in dem die Kundin ihre Inspirationen schickt. Eine überraschende Vorgabe: keine Unterwasserfotos als Inspiration, damit nichts kopiert wird, was es schon gibt. Alison verkauft einzigartige Erinnerungen. Danach zeichnet sie kleine Skizzen von 5 bis 8 Posen, die die werdende Mutter zu Hause auf dem Bett mit geschlossenen Augen übt, bis die Pose zum Automatismus wird. Unter Wasser verliert man jede Orientierung und muss mit seinem Atem haushalten: Sitzt die Pose schon, „ist es gewonnen“.
Diese Vorbereitung lässt sich gut mit Online-Tools erledigen: Mit einem Fragebogen, den du vor dem Shooting verschickst, sammelst du die Wünsche der Kundin, ihre Inspirationen, wie sicher sie sich im Wasser fühlt und in welcher Schwangerschaftswoche sie ist, ohne endlose E-Mails hin und her.
Der große Tag: Tauchgänge von wenigen Sekunden
Alison taucht immer zuerst ab. Drei Sekunden reichen ihr, um sich zu stabilisieren und den Bildausschnitt festzulegen. Dann taucht die Kundin ab, und die Fotografin korrigiert ihre Position in den vier Sekunden, in denen die Mutter unter Wasser ist. Die Tauchgänge dauern 3 bis 6 Sekunden, es sind rund dreißig, mit vielen Pausen, und die Kundin bleibt nicht länger als eine Stunde bis eine Stunde zwanzig im Wasser. Das ist kein Apnoetauchen: Die Mutter atmet vor dem Abtauchen ein und atmet dann gleichmäßig leicht aus.
„Ich verkaufe ihnen einzigartige Erinnerungen, also sollen sie auch wirklich einzigartig sein.“
Alison Bounce
Kundinnen begleiten, die sich im Wasser unsicher fühlen
Etwa 10 % ihrer Kundinnen fühlen sich im Wasser nicht besonders wohl. Alison lehnt sie nicht ab: Sie plant vorher ein Coaching ein, wählt ein flacheres Becken und setzt eine Nasenklammer für Posen mit nach hinten geneigtem Kopf ein, bei denen Wasser in die Nebenhöhlen dringt. Vor allem bringt sie ihnen bei, die Nase zu verschließen, indem sie die Zunge an den Gaumen legen. Das ist unmöglich, wenn man die Backen aufbläst, der typische Reflex bei Angst vor Wasser, der auf Fotos auch selten schön aussieht.
Merke: Unter Wasser zählt jede Sekunde. Je besser die Pose an Land vorbereitet ist, desto kürzer, angenehmer und erfolgreicher ist der Tauchgang.
3. Welche Sicherheitsregeln gelten für ein Unterwasser-Fotoshooting?
Das ist der rote Faden der ganzen Folge. Ihr früherer Beruf als Feuerwehrfrau hat ihr Prävention „eingetrichtert“, und Sicherheit nimmt ein ganzes Kapitel ihres Buchs und mindestens einen Tag ihrer Schulungen ein.
Im Pool
- Ein Rettungsschwimmer ist immer dabei, und er nimmt der werdenden Mutter einen kleinen Schwimmtest ab, selbst nach den Fragen, die vorab gestellt wurden.
- Die Wassertiefe: 1,20 m reichen für ein komplettes Babybauchshooting. Wenn es tiefer sein muss (2 m bis 2,50 m), kann sich die Mutter beim Auftauchen an zwei Schwimmnudeln oder einem Seil festhalten, ohne jemals schwimmen zu müssen.
- Die Temperatur: mindestens 28 bis 30 Grad, denn man bewegt sich während eines Shootings wenig und kühlt schnell aus.
- Die Wasserqualität: Für werdende Mütter bevorzugt Alison Salzwasserpools gegenüber gechlorten Becken.
- Kein Drucklufttauchgerät: Gerätetauchen ist aus ihrer Arbeit verbannt, für sie selbst wie für ihre Modelle. Alles geschieht mit kurzem Luftanhalten.
Mit werdenden Müttern
Alison empfiehlt eher den 8. Schwangerschaftsmonat: Im 6. oder 7. Monat sind manche Komplikationen noch nicht erkennbar. Von jeder Kundin verlangt sie eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ihrer Hebamme. Damit die Hebamme bei den Worten „kurzes Luftanhalten im 9. Monat“ nicht erschrickt, hat sie mit Marine, der Hebamme, mit der sie zusammenarbeitet, ein Dokument verfasst, das den Ablauf erklärt: anderthalb Stunden Shooting, aber insgesamt kaum anderthalb Minuten unter Wasser. Diese Bedingungen (Bescheinigung, Ablauf, Zusatzkosten) hältst du am besten schwarz auf weiß in einem Vertrag fest, den die Kundin vor dem Shooting unterschreibt.
„Unser Beruf ist nicht harmlos.“
Alison Bounce
In der Natur
Im Meer oder im Fluss empfiehlt Alison einen Tauch- oder Apnoelehrer, eine Sicherungsperson außerhalb des Wassers und eine weitere im Wasser, die den Modellen beim Schwimmen helfen kann. Die Bedingungen ändern sich, es kann Strömung oder Tiere geben. Sie nennt das typische Beispiel „Trash the Dress“: Ein Brautkleid, das sich mit Wasser vollsaugt, wird sehr schwer, und es ist schon zu Unfällen gekommen.
Und auch an Land
Alison weitet das Thema aus: Auch an Land hantiert man manchmal mit Babys, die nicht die eigenen sind, auf der Suche nach dem „Wow“-Foto. Als Beispiel nennt sie die Pose, bei der das Baby den Kopf in die Hände legt und sich auf die Ellbogen stützt. In Wirklichkeit ist das ein Composing: Ein Assistent hält den Kopf, während der Rest fotografiert wird, dann umgekehrt. Eloa verweist dabei auf die Folge mit Mathilde Anceaume über Sicherheit beim Newborn-Shooting, die denselben Anspruch für die Neugeborenenfotografie vertritt.
Merke: Ein schönes Bild verrät nichts über die Bedingungen, unter denen es entstanden ist. Es ist deine Aufgabe als Fotograf, für die Sicherheit und das Wohlbefinden deiner Modelle zu sorgen, unter Wasser wie an Land.
4. Wo findet man einen Pool für Fotoshootings?
Laut Alison ist die Suche nach einem Pool vor allem eine Frage der Ausdauer: Viele ihrer Schüler schreiben zehn Orte an und geben dann auf. Dabei gibt es viele Möglichkeiten:
- Städtische Schwimmbäder, wie bei ihrem allerersten Shooting.
- Private Einrichtungen: Spas, Fitnessstudios.
- Privatpersonen, die ihren Pool über Plattformen wie Swimmy oder louemapiscine.com vermieten (in Frankreich verbreitet), vorausgesetzt, der Eigentümer akzeptiert eine gewerbliche Nutzung und es wird ein richtiger Mietvertrag unterschrieben.
- Der eigene Pool: Zwei ihrer Schüler haben sich einen bauen lassen und ihn zu ihrem Studio zu Hause gemacht.
Ideal ist ein fester Pool in der Nähe: Man kennt das Licht, und der Sicherheitsplan steht bereits. Er wird aber selten so viele freie Zeitfenster haben, wie du brauchst. Deshalb lohnt es sich, zwischen zwei oder drei Orten zu wechseln. Alison selbst mag die Herausforderung, ein neues Becken zu entdecken, es zu erkunden und jedes Mal einen neuen Präventionsplan aufzustellen.
Shootings bündeln
In Paris, wo die Kosten hoch sind, mietet sie den Pool einer Privatperson für einen ganzen Tag, von 8 bis 16 oder 17 Uhr, und macht drei Shootings hintereinander. Dafür müssen mehrere werdende Mütter in der passenden Schwangerschaftswoche auf denselben Tag gelegt werden: Online-Buchungsslots, die nur für diesen Tag freigeschaltet sind, erleichtern genau diese Art von Planung.
Merke: Verlass dich nicht auf einen einzigen Pool. Frag an vielen Orten an, regle jede Anmietung schriftlich und bündle deine Shootings, wenn die Miete teuer ist.
5. Was sollte ein Unterwasser-Fotoshooting kosten?
Alison gibt es offen zu: Erst die Unterwasserfotografie hat ihr beigebracht, ihre Leistung richtig zu bewerten. Ein Unterwasser-Shooting verkauft man nicht für 350 oder 400 Euro, denn die Logistik ist teuer. Zur Orientierung, Stand 2021:
- Poolmiete: etwa 50 Euro pro Stunde.
- Rettungsschwimmer: etwa 60 Euro für eine Einheit von anderthalb Stunden.
- Assistenten: je 100 Euro pro Shooting, Vorbereitung inklusive.
- Styling: Kleider und Stoffe, die bei besonderen Wünschen an die Kundin weiterberechnet werden.
Die Preisuntergrenze, die sie ihren Schülern empfiehlt
Alison rät ihren Schülern, nicht unter 650 Euro Shootinggebühr zu gehen, „das absolute Minimum“, und eher 850 Euro anzupeilen. Für die ersten zehn Shootings empfiehlt sie ein Paket mit 5 inklusive Bildern und danach den Einzelverkauf weiterer Bilder, um Schulung und Ausrüstung in weniger als acht Shootings wieder hereinzuholen. Langfristig ist es ideal, nur eine Shootinggebühr zu berechnen und alle Bilder und Abzüge zusätzlich zu verkaufen. Ihre eigene Shootinggebühr liegt je nach Poolkosten zwischen 650 und 950 Euro, bei einem angestrebten Durchschnittsumsatz von etwa 1.500 bis 2.000 Euro.
„Geht nicht darunter, sonst deckt ihr eure Kosten nicht.“
Alison Bounce
Um deinen eigenen Preis aus deinen tatsächlichen Kosten (Miete, Assistenten, Ausrüstung, Bearbeitungszeit) abzuleiten, hilft dir der Preisrechner für Fotografen, die Schwelle zu finden, unter der dich ein Shooting Geld kostet. Und für den Verkauf zusätzlicher Bilder ermöglicht eine Online-Galerie der Kundin, ihre Fotos nach dem Shooting auszuwählen und zu kaufen.
Merke: Berechne deine Selbstkosten, bevor du deinen Preis festlegst. Mit Pool, Rettungsschwimmer und Assistenten kostet dich ein zu billig verkauftes Shooting Geld.
6. Welche Ausrüstung und welches Licht unter Wasser?
Die Grundlage ist ein Unterwassergehäuse, in das die Kamera kommt. Seit ihrem missglückten ersten Shooting ist Alison Markenbotschafterin des Gehäuseherstellers, mit dem sie arbeitet, und kann ihr Gehäuse „mit geschlossenen Augen“ warten und zusammenbauen.
Ein Studio voller Wasser
Auf ihrer Website spricht sie von einem „Underwater-Studio“. Sie verwendet Tauchlampen (eine mit 6.000 und eine mit 10.000 Lumen), die man nie eingeschaltet aus dem Wasser nehmen darf, weil sie heiß werden und durchbrennen, sowie Strobes, also Unterwasserblitze, die auf Stativen am Beckenboden stehen. Im Meer halten ihre Assistenten die Beleuchtung. Sie kann sogar einen großen farbigen Stoff an der Beckenwand spannen, um die Fliesen zu verdecken, wie den gelben Hintergrund bei einem Workshop.
„Ich kleide meine Modelle mit Licht.“
Alison Bounce
Kleider, die schweben, und dann immer weniger Kleider
Für die Outfits braucht man leichte Stoffe, die schweben und schöne Bewegungen zeichnen, wie Chiffon oder Organza. Alison kauft Kleider für 30 oder 40 Euro und arbeitet sie selbst um. Doch ihre Kundinnen fragen immer seltener danach: Seit Ende 2019 kehrt sie zum Minimalismus ihrer Anfänge zurück und fotografiert auch künstlerische Aktaufnahmen. Weniger Stoff, dafür mehr gemietete Beleuchtung, damit das Bild elegant und klar gezeichnet bleibt.
Merke: Unter Wasser passt du das klassische Studio an die Bedingungen von Auftrieb und Licht an. Die Technik ist eine andere, die Logik bleibt dieselbe.
7. Hochzeit und Unterwasser: loslassen oder alles kontrollieren?
Von einer eigenen Hochzeit hat Alison nie geträumt, aber sie liebt alles, was dort passiert. Als Hochzeitsfotografin sieht sie sich als „Wächterin des Brautpaars“: Während die beiden ihren Moment erleben, hält sie Ausschau nach den Szenen, die sie selbst nicht sehen werden, wie den Onkel, der noch im Schlafanzug vor allen sein Brot in den Kaffee tunkt.
Zwei gegensätzliche Spezialisierungen
Bei Hochzeiten kontrolliert sie nichts: Sie lässt geschehen, greift nicht ein und passt nur ihr Licht an, auch wenn sie dafür abends ständig ihre Blitze umstellen muss. Die Nachbearbeitung beschränkt sich auf Farbe, Kontrast und Zuschnitt. Unter Wasser dagegen kontrolliert sie alles von A bis Z: die Pose, das Licht, eine aufwendige Retusche. Und körperlich erholt sie sich bei der Unterwasserfotografie mehr als beim „Marathon“ eines Hochzeitstages.
Seit 2018 ist sie von 30 bis 35 Hochzeiten pro Jahr auf etwa zehn heruntergegangen, um sich mehr Zeit für ihre Brautpaare zu nehmen und der Unterwasserfotografie mehr Raum zu geben. 2019 verteilten sich ihre Einnahmen ungefähr 50/50 auf die beiden Bereiche.
„Einfachheit langweilt mich wirklich.“
Alison Bounce
Merke: Zwei sehr unterschiedliche Spezialisierungen können sich gut ergänzen. Wichtig ist, zu wissen, was dir jede davon bringt, an Einnahmen wie an Energie.
8. Sollte man eine Ausbildung in Unterwasserfotografie machen?
Als Alison anfing, gab es nur Bücher für Taucher, die sich um Fische und Korallen drehten. Also hat sie das Buch geschrieben, das sie selbst gern gefunden hätte: für professionelle Fotografen und Hobbyfotografen, für Apnoetaucher, die schon fotografieren, ohne ein Motiv richtig belichten zu können, und für Kunden, die neugierig auf die Hintergründe eines Shootings sind.
Drei Tage Schulung, dann ein Jahr Begleitung
Für sie ist eine Ausbildung unverzichtbar, um Zeit zu sparen und vor allem, um sicher zu arbeiten. Doch ein dreitägiger Kurs, selbst ein intensiver, reicht nicht: Ohne Praxis vergisst man schnell und verliert den Mut. Deshalb hat sie nach ihren Schulungen eine Begleitung von mindestens einem Jahr eingeführt. Die Gruppen bleiben klein (8 oder 9 Teilnehmer, je nach Größe des Pools), mit Gastreferentinnen wie einer Apnoe- und Yogalehrerin oder ihrer Hebamme, und bestehen fast nur aus Praxis.
„Das ist methodisch: Sobald du die Methode hast, kannst du es.“
Alison Bounce
Eine echte körperliche Fitness
Alison betont einen Punkt, den sie anfangs verschwiegen hat: Man muss sportlich sein. Während eines Shootings „trägt“ die Fotografin das Shooting, mit angehaltenem Atem, ständig auf und ab. Sie hält beim Shooting etwa 20 Sekunden unter Wasser durch und muss mit Apnoe-Modellen mithalten, die 30 oder 40 Sekunden schaffen. Heute kann sie zwei oder drei Shootings am Tag hintereinander machen, weil sie ihre Grenzen kennt.
Merke: Ein Gehäuse zu kaufen und schwimmen zu können reicht nicht. Lass dich ausbilden, trainiere, bevor du deine ersten Shootings verkaufst, und hol dir in der Anfangszeit Begleitung.
Die Folge wurde im Frühjahr 2021 mitten in der Pandemie aufgenommen. Die Schwimmbäder waren damals für die Öffentlichkeit geschlossen; das Buch über die Antarktis, die Preise und die Organisation der Schulungen, von denen die Rede ist, beziehen sich auf diese Zeit. Die aktuelle Tätigkeit und die Schulungen von Alison Bounce sind auf ihrer Website beschrieben.
Fehler, die du in der Unterwasserfotografie vermeiden solltest
Aus der Erfahrung von Alison Bounce:
✗ Ohne Ausbildung loslegen, mit einem Gehäuse und ein paar Bahnen im Pool als einziger Vorbereitung.
✗ Ohne Rettungsschwimmer arbeiten und ohne Schwimmtest, selbst wenn die Kundin sagt, sie fühle sich im Wasser wohl.
✗ Zu lange oder zu viele Tauchgänge machen, die die werdende Mutter erschöpfen.
✗ Die Bescheinigung der Hebamme vergessen bei einem Babybauchshooting.
✗ Zu kaltes Wasser wählen: Unter 28 Grad kühlt die Kundin schnell aus.
✗ Das Shooting unter den Selbstkosten verkaufen, ohne Pool, Rettungsschwimmer und Assistenten einzurechnen.
✗ Dichtung und Wartung des Gehäuses vernachlässigen, vor jedem Tauchgang.
FAQ: Unterwasserfotografie
Wie läuft ein Babybauchshooting unter Wasser ab?
Es wird im Voraus vorbereitet: Termine, Fragebogen, Skizzen von 5 bis 8 Posen, die die werdende Mutter zu Hause übt. Am Tag selbst macht die Kundin in einem beheizten Pool und mit einem Rettungsschwimmer rund dreißig Tauchgänge von 3 bis 6 Sekunden, mit vielen Pausen, bei einem Shooting von etwa anderthalb Stunden.
Ist ein Unterwasser-Fotoshooting in der Schwangerschaft gefährlich?
Nicht, wenn das Shooting professionell begleitet wird. Alison Bounce verlangt eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der Hebamme, empfiehlt eher den 8. Monat, arbeitet mit einem Rettungsschwimmer in Wasser mit 28 bis 30 Grad und begrenzt die Tauchgänge auf wenige Sekunden: Die werdende Mutter verbringt insgesamt kaum anderthalb Minuten unter Wasser.
Was kostet ein Unterwasser-Fotoshooting?
Alison Bounce rät ihren Schülern, nicht unter 650 Euro Shootinggebühr zu gehen und eher 850 Euro anzupeilen. Ihre eigene Shootinggebühr lag 2021 zwischen 650 und 950 Euro, bei einem angestrebten Durchschnittsumsatz von etwa 1.500 bis 2.000 Euro, sobald Bilder und Abzüge hinzukommen.
Welche Ausrüstung braucht man für Unterwasserfotografie?
Ein Unterwassergehäuse, das zu deiner Kamera passt, und dazu Unterwasserbeleuchtung: Tauchlampen (bei Alison Bounce 6.000 bis 10.000 Lumen) und Strobes, also Unterwasserblitze, auf Stativen am Beckenboden. Für die Outfits kommen leichte Stoffe wie Chiffon oder Organza dazu.
Wo kann man ein Unterwasser-Fotoshooting machen?
In einem städtischen Schwimmbad, einem Spa, einem Fitnessstudio oder im Pool einer Privatperson, gemietet über eine Plattform wie Swimmy, mit einem Mietvertrag. Für ein Babybauchshooting reichen 1,20 m Wassertiefe. Im Meer oder im Fluss braucht es einen Tauchlehrer und eine Sicherungsperson im Wasser.
Muss man tauchen können, um Unterwasserfotograf zu werden?
Nein, Alison Bounce arbeitet ausschließlich mit kurzem Luftanhalten und verzichtet auf Drucklufttauchgeräte, für sich wie für ihre Modelle. Man muss sich aber im Wasser wohlfühlen, körperlich fit sein, sich in Apnoe und Sicherheit ausbilden lassen und trainieren, bevor man die ersten Shootings verkauft.
Wie wird man Unterwasserfotograf?
Mit einer Ausbildung und danach viel Praxis. Alison Bounce bietet drei Tage Schulung an, gefolgt von einer Begleitung über mindestens ein Jahr, in kleinen Gruppen und mit einem ganzen Kapitel zur Sicherheit. Außerdem empfiehlt sie, mehrere Partnerpools zu finden und den eigenen Preis aus den tatsächlichen Kosten abzuleiten.
Die Arbeit von Alison Bounce entdecken
Babybauch-, Paar- und Familienshootings unter Wasser in Hyères, Werbefotografie, Ausstellungen und Schulungen zum Unterwasserporträt: Ihre Arbeit findest du auf ihrer (französischsprachigen) Website alisonbounce.com.
Dieser Artikel basiert auf Folge #034 des Fotostudio-Podcasts (auf Französisch), moderiert von Eloa Landais und aufgenommen im Frühjahr 2021. Die Zitate von Alison Bounce wurden aus dem Französischen übersetzt. Ihre Sicherheitsregeln und ihre Methode sind nach wie vor wertvoll für alle, die mit Unterwasserfotografie beginnen möchten.
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